Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017

Pop

HVOB and Winston Marshall: Silk

Das fleißig international tourende Wiener Elektronikduo HVOB landet mit "Silk" gleich zwei Coups. Als Partner konnten Anna Müller und Paul Wallner den britischen Musiker Winston Marshall gewinnen, im Brotberuf Gitarrist der Folk-Stadionfüller Mumford & Sons. Und es geht auch noch gut: Marshall genießt das Fremdgehen, steuert atmosphärische Gitarrenparts bei und dient als zweite Stimme, die Müllers dunkel-existenzialistische Gesänge schön konterkariert. Düsteres Schimmern über stabilen Beats. (Tragen) SF

Pop

Flut: Nachtschicht

Nie lagen Glanz und Elend im Pop so nahe beisammen wie in den 1980ern. Das Quintett Flut, gehandelt als nächstes großes Ö-Pop-Ding, setzt musikalisch wie optisch auf Retro ohne Genierer, pickt sich aber punktgenau heraus, was an den Eighties schrecklich war: schrille Synthesizer, Bombastschlagzeug, klebrige Gitarren, arroganter Gesang und eine Neue Deutsche Welle, die im Schlager verendet. Ein Händchen für eingängige Melodien kann man den fünf Liedern ihres Debüts allerdings nicht absprechen. (Problembär) GS

Klassik

Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion

Glück ist, wenn der Bass einsetzt - hier als fetter Sound des Kontrafagotts, der gleich zu Beginn für Gänsehaut sorgt. Auch der Rest von Marc Minkowskis Interpretation der "Johannes-Passion" wird selbst Ungläubige in ihren Bann ziehen. Mit den fantastischen Musiciens du Louvre spielt er sie radikal reduziert, mit nur neun (großartigen) Solisten statt üppig besetztem Chor, harten Akzenten und straffen Tempi. Brutal schön, von den Anfangsrufen "Herr, unser Herrscher" bis zum Schlusschor "Ruht wohl".(Erato) MDA


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