Menschen

Neues Leben im Life Ball


LUKAS MATZINGER
Falters Zoo | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017

Während Wien aller Voraussicht nach nicht die MTV Europe Music Awards 2018 beherbergen wird, weil die Stadtregierung aller Voraussicht nach nicht bereit sein wird, dem ehemaligen Musik-und jetzt Bezahlsender drei Millionen Euro Fixum plus 1.200 Fünf-Sterne-Hotelzimmer für eine Woche, eine Halle für 8.000, eine Aftershowparty-Location für 1.200 Leute und die Flugkosten für die ganze Crew zur Verfügung zu stellen, bleiben der Stadt andere breitenwirksame Großevents erhalten. Sie pausieren halt unter Umständen für ein Jahr.

Wie der Life Ball, der heuer seine Auferstehung feiern wird. Aktuell basteln Balldaddy Gery Keszler und sein Team am großen Rahmen um das Main Event am 10. Juni herum - um das Produkt Life Ball unter möglichst viele, möglichst verschiedene Nasen zu reiben. Vier Tage vor dem eigentlichen Ball wird ein Konzert im Burgtheater die Festwoche begründen. Mit dem "Life+Celebration Concert" will Keszler Freunde der Klassik ansprechen, die das Trara des Ballabends scheuen und hoffentlich trotzdem ein wenig Geld in den Spendensack wandern lassen. An diesem Abend wird unter anderem die weltberühmte Sopranistin Sumi Jo singen, das musikalische Wunderkind Alma Deutscher spielen und die Schauspieler Sunnyi Melles, Maria Happel und Karl Markovics werden lesen.

Am Sonntag nach dem Ball, und das ist eine Premiere, veranstalten die Vereine Life Ball und Jugend gegen AIDS eine kleine Sause für junge Leute mit dem Namen "Life Ball Next Generation". DJs, Blogger und Performer sollen Jugendliche ins Rathaus locken und dort ihr Bewusstsein für HIV und Aids und das Wesen sexuell übertragbarer Krankheiten stärken.

Vergangenes Wochenende wurde Wien eines neuen Musikfestivals Obdach. Es hieß Vienna Metal Meeting und besetzte den ganzen Samstag über zwei Bühnen der Arena. Das Festl ist ein Ableger des kultigen niederländischen Eindhoven Metal Meetings, von dem es die Ausrichtung Black-, Deathund Thrash-Metal erbte. Headliner war zur Premiere die verhaltensauffällige Black-Metal-Band Mayhem aus Norwegen, deren frühere Bandmitglieder sich auf der Bühne ritzten, Hakenkreuzarmbinden trugen und sich oder einander umbrachten. Das Festival war ausverkauft, es war sehr laut.

Der österreichische Abgeordnete zum heurigen Eurovision Song Contest Nathan Trent bestreitet gerade die Ochsentour, die Song-Contest-Teilnehmer eben zu absolvieren haben. Trent heißt eigentlich Nathanaele Koll, sein Vater spielt Geige im Tiroler Symphonieorchester Innsbruck.

Koll/Trent singt sein Lied dieser Tage in allen möglichen europäischen Städten vor und hat sich kürzlich medienwirksam zum 25. Geburtstag eine Torte von Conchita Wurst schenken lassen. Sein "Running on Air" wurde von der Jury um Eberhard Forcher und Christof Straub (Vater der Vorjahres-Dreizehnten Zoë) aus 350 Liedern ausgesucht. Die Buchmacher gestehen ihm äußerst schlechte Chancen zu.


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