Film Neu im Kino

Don't let the spirit die: "The Birth of a Nation"

Vanessa Scharrer | Lexikon | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017

Er wuchs als einfacher Junge mit der göttlichen Bestimmung auf, später einmal einen wichtigen Beitrag für die Befreiung der Sklaven zu leisten. Wer hier an den biblischen Moses denkt, liegt allerdings falsch, die Rede ist von Nathaniel "Nat" Turner, der im Jahr 1831 dafür hingerichtet wurde, einen Sklavenaufstand in Virginia, USA, angeführt zu haben. Nate Parker inszeniert die Parallelen zur biblischen Figur in seinem Film "The Birth of a Nation" unübersehbar und verkörpert dabei auch gleich selbst diesen Auserwählten.

Nat wächst als Sklavenjunge auf der Farm von Samuel Turner (Armie Hammer) mit dem Privileg auf, lesen lernen zu dürfen, wiewohl nur ein Buch: die Bibel. In der Folge wird er der erste schwarze Priester, der seinen Gefolgsleuten von Gott erzählt. Sein naiver Glaube wird jedoch schnell durch die grausame Wirklichkeit in blanke Wut verkehrt, als er zu anderen Sklavenbesitzern geschickt wird, um dort die Leibeigenen durch seine Predigten zu besänftigen. Der Film endet zwar mit der Niederschlagung seines Aufstands, doch der free spirit lebt weiter.

Parkers Film macht keinen Hehl daraus, dass er sich als Beitrag zur Identitätsstiftung der USA versteht. Die unbekannte Geschichte von Nat Turner soll mit viel Pathos aufgearbeitet werden und hält mit grausamen, blutigen Bildern nicht zurück.

Das große Problem, das sich wie Dreck auf die saubere Oberfläche schmiert, ist das Privatleben des Nate Parker, der mit der Figur Nat Turner so eine wunderbare Fusion eingeht. Ein Gerichtsprozess aus den 1990ern wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs verpasste Parker und seinem Film einen gewaltigen Imageschaden. "The Birth of a Nation" ist ein emotionsgeladener, stolzer Film mit einem etwas faden Beigeschmack.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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