Die Marathon-Frau

Vor 50 Jahren lief Kathrine Switzer als erste Frau in Boston offiziell einen Marathon. Heute ist die US-Amerikanerin eine Ikone: Zu Ostern läuft sie ihr Jubiläumsrennen in Boston - im Mai kommt sie nach Wien

WÜRDIGUNG: THOMAS ROTTENBERG | Stadtleben | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017


Foto: Chema Moya / EFE / picturedesk.com

Nein, sagt Kathrine Switzer, wenn man Weltgeschichte schreibt, bekommt man das nicht zwingend sofort mit. Bei ihr, sagt die 70-jährige US-Amerikanerin, war es jedenfalls so. Damals, ziemlich genau vor 50 Jahren, bei der Zwei-Meilen-Markierung des Boston-Marathon war sie vor allem eines: schockiert. Und nein, wird Kathrine Switzer nicht müde zu betonen, sie habe den Skandal weder geplant noch provoziert. Jenen Skandal, der sie zur Ikone der Frauen- und der Sportgeschichte machte: Eigentlich wollte Kathrine Switzer damals lediglich laufen. Den Boston-Marathon. Dass eine Frau im Pulk Jock Semple, zu jener Zeit Renndirektor, so in Rage bringen würde, dass er aus dem fahrenden Presse-Bus springen und die 20-Jährige vor den Augen – und Kameras – der versammelten Presse mit Gewalt aus dem Rennen zu bugsieren versuchen würde, hätte sie nie erwartet.

Doch genau dieser Moment machte Switzer weltberühmt: Die Bilderserie von der schockierten Frau, vom tobenden Funktionär und von Switzers Freund – dem Hammerwerfer und Footballspieler Tom Miller, der Semple abblockt – wurde vom Time Life zu einem der „100 Photographes That Changed the World“ erklärt. Um es angelehnt an die Worte von Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond, zu sagen: „Ein kleiner Stesser von einem Footballspieler – aber ein großer Wurf für den Sport.“

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