Musiktheater Kritik

"Barbarische" Migrantin und unser "Wertekanon"

HR | Lexikon | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017

Die 2010 uraufgeführte und bei Aribert Reimann beauftragte Oper "Medea" könnte aktueller nicht sein. In neuer Besetzung mit Claudia Barainsky wiederaufgenommen, wird die Tragödie der Ausländerin aus Kolchis geschildert, die mit ihrem griechischen Mann Jason nach Korinth geflüchtet ist und deren Asylantrag zurückgewiesen wird, obschon sie die dortige Kultur anfänglich hilflos nachzuahmen versucht. Sie trägt Kopftuch und singt ihre anderssprachig wirkenden Koloraturen, Adrian Eröd ist ein Karrieretyp in Anzug und Krawatte, dem sie längst im Weg steht. Von allen verlassen, bringt Medea ihrer Konkurrentin Kreusa den Flammentod und ermordet die eigenen Kinder. Reimanns Musik mit ihren virtuosen Charakterisierungen wurden in Marellis Regie konzis zur Geltung gebracht.

Staatsoper, Sa, Mi 19.30

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