Kunst Kritik

Wenn Avatare Gefühlsausbrüche simulieren

NS | Lexikon | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017

Daten über Gefühle fungieren heute als Kapital. So existieren etwa bereits Emotionserkennungsprogramme, die bei Bewerbungsgesprächen Aufrichtigkeit messen sollen. "Affective Computing" ist der Fachausdruck für das digitale Erfassen und Interpretieren von Emotionen. Das interessante Ausstellungsprojekt "Mood Swings" im Freiraum des Museumsquartiers geht nun anhand von 14 künstlerischen Positionen der Frage nach, wie Stimmungen Politik, Medien und Märkte beeinflussen. In den von Sabine Winkler ausgewählten Beiträgen geht es auch um das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz mit Mimik und Gestik.

Während Ruben van de Ven das Videospiel "Emotion Hero" entwickelt hat, mit dem Gefühlsausdrücke trainiert und eingeordnet werden können, übertrug Antoine Catala die Emotionen eines Elfjährigen auf einen Telepräsenz-Roboter namens "Emobot". Sein glatziger Teenager-Avatar wirkt unheimlich, weil dessen Mimik bisweilen schwer zu deuten ist. Wie überfordernd eine schnelle Abfolge von Gefühlen wirkt, zeigt US-Künstler Xavier Cha mit Schauspielern, die in seinem Video "Abduct" wechselnde Gefühlsausdrücke darstellen.

Keine Frage, wir spiegeln uns in den anderen und das auch politisch. In ihrer Installation "The Boys Are Back" bringt die Wiener Künstlerin Christine Werner Versatzstücke populistischer Bewegungen zusammen. Im Mittelpunkt steht ein Videoloop aus einer Rede von Geert Wilders, als er 2015 von der FPÖ eingeladen wurde. Zu sehen sind aber nur die Schuhe des Rechtspopulisten, die sie mit Fotocollagen von Fahnen der Identitären sowie der polnischen Partei für Recht und Gerechtigkeit kombiniert. Durch die Leerstellen macht Werner die ideologischen Bühnen deutlich, auf die fatalerweise immer wieder die gleichen "Boys" zurückkehren.

Museumsquartier, Freiraum, bis 27.5.


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