Film Neu im Kino

Heldinnen, ungebremst: Jakob Lass' "Tiger Girl"

Julia Pühringer | Lexikon | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017

Niemand schwingt wie sie den Baseballschläger: Tiger (Ella Rumpf) lebt in einem Bus in einem Hinterhof, trägt Lederjacke und geht keine Kompromisse ein. Blöd kommen ihr die Leute nur einmal. Alexa (Maria-Victoria Dragus) geht in den Kurs beim Sicherheitsdienst, bevor sie es bei der Polizeischule noch mal versucht. Bei ihrem "Meet cute" mit Tiger tritt diese bei einem Auto einen Seitenspiegel runter. Ab da sind die beiden Mädchen unzertrennlich. Tiger tauft sie "Vanilla" und treibt ihr die unterwürfige Freundlichkeit aus. Mit den Konsequenzen hat selbst Tiger nicht gerechnet.

Jakob Lass, 36, hat mit "Love Steaks" (2013) den schönsten, schrägsten und supersten Liebesfilm der deutschen Filmgeschichte gedreht. Nun schreibt er mit "Tiger Girl" das Coming-of-Age-Genre neu. Gedreht wurde mit reduziertem Drehbuch ("Ein Skelettbuch. Drei Seiten."), die Dialoge improvisierten die Hauptdarstellerinnen selbst. Nach dem selbstfinanzierten Filmerfolg mit "Love Steaks" gab's für "Tiger Girl" Förderungen, aber "so viel Geld war's dann gar nicht. Vielleicht kann ich jetzt auch mein BaföG zurückzahlen." Lass' laut Eigendefinition "überhöhte, ein bisschen übernaturalistische Hauptfigur" kann göttinnengleich handeln, ein Befreiungsschlag. Schon wie in "Love Steaks" spielen sich die Berufstätigen selbst, so auch Kurs und Kursleiter des Sicherheitsdienstes ("der hat sich sogar ein bisschen zurückgenommen für den Film"). Der geile Soundtrack kommt von Großstadtgeflüster: "Ich hab die mit der Fickt-euch-Allee entdeckt und gedacht, komm, lass die mal anhauen. Die haben die zwei Songs für Alexa und Tiger extra komponiert." Wenn Männer Frauen schreiben, wird's gelegentlich klischeehaft. Dem entgegnet Lass mit dem einzig probaten Mittel: Drei der fünf Drehbuch-Co-Autoren sind Frauen.

Bereits in den Kinos


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