Stadtrand Urbanismus

Umverteilung: Rauch ist für alle da!

Stadtleben | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017

Nichts über Frühlingssonntage in Wien, mit der Sonne im Genick und der Gratiszeitung unterm Arm, friedlich an einer verkehrsberuhigten Kreuzung wartend, bis die Ampelpärchen grün aufschlagen. Oder einem der unvermittelte Geruch einer mutmaßlichen Kadaververbrennungsanlage in die Nase steigt. Schon holen einen die Rauchschwaden ein. Man dreht sich um und hat es geahnt: Natürlich steht das zigarettenförmige Aschenrohr eines naheliegenden Mistkübels in Flammen.

Tag für Tag ergeben sich in dieser Stadt hinter dem "Host an Tschick?"-Schriftzug der Mistkübel-Ascher für den Laien unlöschbare Feuersbrünste. Irgendwann sind diese Rohre irgendwem bei der MA 48 als fantastische Idee erschienen. Die Entleerungsklappe wurde sogar zum Patent angemeldet. Wobei: Wozu eigentlich ausleeren? Brennt eh alles nieder. Es gibt inzwischen ein eigenes Fotoblog, das diese täglichen Wiener Kleinbrände dokumentiert.

Heute sind die 20.000 Rohre (besser: Schlote) die beste städtische Maßnahme zur Nikotinentwöhnung: Wer einmal so einen Brand gerochen hat, möchte nie wieder mit dem Ausgangsprodukt in Berührung kommen.


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