Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Das beste Bier der Welt der Woche

SEBASTIAN FASTHUBER | Feuilleton | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017

Bockbier ist zunächst eine schöne Jugenderinnerung. Anfangs konnte man sich als einer, für den Bier primär bitter und wäh war, wenig darunter vorstellen, wenn die damals schon passionierten Biertrinker vor Weihnachten und zu Ostern vom Bock zu schwärmen begannen. Ihr Blick wurde glasig - bereits vor dem Genuss! Es musste Liebe sein.

Dann erlag man selbst dem Reiz des Gebräus. Weil das zumeist dunkle Bier malzig und ein wenig süß schmeckte, sagte es dem jungen Gaumen mehr zu als ein Pils. Der hohe Alkoholgehalt von rund sieben Volumenprozent sorgte weiters dafür, dass man ziemlich schnell was davon spürte. Ähnlich mag es den italienischen Mönchen ergangen sein, die 1629 im bayerischen Kloster Neudegg ob der Au ihr eigenes Bier zu brauen begannen - ein besonders starkes, kalorienhaltiges, das sie während der Fastenzeit nähren sollte. Bis zu fünf Mal am Tag durften sie ihren Krug mit "flüssigem Brot" anfüllen. Fraglich, ob danach an Beten und Arbeiten noch zu denken war.

Ihr Bier bekam den Zusatz "Ainpöckisch", weil es auf eine Tradition zurückging, die aus Einbeck in Niedersachsen nach Bayern importiert wurde. Dort entstand die Rezeptur für ein schweres, obergäriges Bier, das mit einem hohen Stammwürzegehalt von 16 Grad gebraut wurde. Dadurch wurde es länger haltbar und konnte auch über weite Strecke transportiert werden. In München hieß "Ainpöckisch" umgangssprachlich schnell "ein Bock".

Ein gutes Bockbier - die Mühlviertler Brauerei Hofstettner etwa bietet gleich fünf verschiedene an -arbeitet in der Flasche weiter und entwickelt nach ein paar Monaten neue Nuancen. Der zu Weihnachten gekaufte Bock schmeckt zur Osterjause noch besser, den Osterbock kann man für später im Keller einlagern.


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