Tiere

Trost und Rad


Peter Iwaniewicz
Falters Zoo | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“: Dieses Lied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein textete vor mehr als 150 Jahren der Dichter Georg Herwegh. Mit einer kleinen Anpassung – „wenn dein starkes Bein nicht will“ – könnte diese Zeile heute auch als Parole für eine Fahrrad-Revolution verwendet werden.

Am Donnerstag, 12. Juni 1817 fuhr der Karlsruher Forstbeamte Karl Freiherr von Drais erstmals mit seiner von ihm erfundenen Laufmaschine eine 14 Kilometer lange Strecke. Dafür brauchte er nur eine Stunde und war damit schneller als die damaligen Postkutschen. Diese Erfindung war letztlich eine Folge des verheerenden Vulkanausbruchs auf der indonesischen Insel Sumbawa im April 1815. Die Ascheeruptionen des Tambora verdunkelten die Nordhalbkugel so sehr, dass es im folgenden Jahr zu Missernten und Hungersnöten kam. Die verzweifelte Bevölkerung schlachtete in der Not ihre Pferde, die damals das wichtigste Fortbewegungsmittel waren. Drais wollte mit seiner Erfindung eine von Tieren und Futtermitteln unabhängige Mobilität gewährleisten. 200 Jahre danach ist das Fahrrad immer noch die beste Lösung, um uns von äußeren Energiequellen unabhängig, schadstofffrei und schnell fortbewegen zu können.

Die Erfindung des Rades ist die Standardmetapher menschlichen Fortschritts. Sind Tiere deswegen „primitiv“, weil keine Art das Rad erfunden hat? Pfaue schlagen zwar ein Rad, benutzen aber keines. Nein, Tiere sind nur schlau, denn um rollen zu können, muss man auch Straßen bauen. Und das ist aufwendig. Für Transporte in unwegsamem Gelände suchen Techniker deswegen Lösungen, die sich am Gang sechsbeiniger Insekten orientieren.

Rädertiere (Rotifera) heißen zwar so, weil ein Wimpernkranz auf ihrem Kopf, mit dem sie die Nahrung einstrudeln, sich unaufhörlich zu drehen scheint. Doch die Drehung ist nur eine Illusion, die durch schnelles, peitschendes Schlagen der feinen Haare erzeugt wird.

Aber das macht diese nur Bruchteile eines Millimeters großen Tiere nicht weniger interessant. Sie leben überall, wo es süßes oder salziges Wasser gibt, manchmal auch an Land an Bäumen oder feuchtem Moos. Bei Trockenheit schrumpfen sie zu einer Kugel zusammen und können so bis zu vier Jahre überleben.

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