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Aufdecker gesucht: Mateschitz' neues Projekt


BERICHT: FLORIAN KLENK
Medien | aus FALTER 15/17 vom 12.04.2017

Investigativem Journalismus geht das Geld aus: Die Leser wollen nicht mehr bezahlen, die Werbekunden wandern zu den großen Internetgiganten oder ins Privatfernsehen ab und Regierungsinserate gelten für viele seit dem Fall Faymann als verpönt. Die Konsequenz: PR und Falschmeldungen ersetzen die Recherche.

Was tun? Der Falter, der regelmäßig investigative Geschichten publiziert, setzt auf bezahlte Printabos und schenkt seinen Content grundsätzlich nicht her. In Deutschland formierten sich Plattformen wie correctiv, die von Crowdfunding leben. In Österreich arbeiten Aufdecker für das Netzwerk Dossier. Und in den USA setzte sich zunehmend ein von Mäzenen finanziertes System durch.

Plattformen wie ProPublica oder das Washington Center for Public Integrity verstehen sich als journalistische NGOs, die große Themen recherchieren und den Content sodann an Medien verschenken, die von den Früchten jener Bäume profitieren, die sie nicht mehr selbst setzen wollen.

Ein ähnliches Ziel strebt nun offenbar auch der Salzburger Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz an. Der Eigentümer von Servus TV gründete eine gemeinnützige Stiftung und will eine Rechercheplattform ("Quo Vadis Veritas") aufbauen, die einerseits investigativ recherchiert, aber auch großen rekonstruktiven Journalismus wagt, wie aus dem Umfeld der gerade im Aufbau befindlichen Plattform zu hören ist. Als Chef des Experiments fungiert Michael Fleischhacker, der in seiner Zeit als Presse-Chefredakteur investigative Plattformen immer wieder kritisierte, weil sie "advokatorischen Journalismus" betreiben würden. Per Inserat sucht er nun Aufdecker, die "uneitel" sein müssen.


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