Menschen

Auf Wiederschauen, Fastenzeit!


LUKAS MATZINGER
Falters Zoo | aus FALTER 16/17 vom 19.04.2017

Die Karwoche ist in Wien annähernd so besinnlich, wie es die Bibel verlangt. Die Studenten haben Ferien, viele Bürokrieger auch, und spätestens zum Wochenende entfleucht quasi der ganze Rest in die hinterstentlegenen Gegenden zu Vorfahren und anderen Lieben. Bis zur kollektiven Auferstehung am Ostermontag ergibt sich die Stadt für ein paar Tage ihrer geplanten Obsoleszenz.

So ruhig war es hier, dass mitunter Weltstars in Wien Unterschlupf suchten, um ein entspanntes Osterwochenende zu verbringen. Nicolas Cage war die Feiertage über in der Stadt und es gelang ihm, was Schauspielern seines Kalibers in Städten dieses Kalibers selten gelingt: halbwegs unerkannt und von Presse-und Freizeitfotografen ungeschoren durch die Straßen zu flanieren. Cage schiss sich wenig und kam kaum verwechselbar in Anzug und Sonnenbrille, als wäre er einem seiner Pistolenfilme entstiegen. Einen solchen drehte Cage gerade mit seinem Sohn Weston Cage in Bulgarien, der Film wird am Ende #211 heißen. Am Samstag hörten die beiden ein Mozartkonzert im Großen Saal des Musikvereins, am Ostersonntag trank man Kaffee im Demel, zum Abschluss verschrieb sich Vater Nicolas (geborener Coppola, Neffe des "Pate"-Regisseurs Francis Ford Coppola) Richard Wagners Fünf-Stunden-Eskapade "Parsifal" in der Staatsoper. Auf so was steht der.

Aber ein bisschen was war ja doch los. Am vergangenen Dienstag zum Beispiel kam die deutsche Autorin, Kolumnistin, Deutschkursleiterin an der Volkshochschule Berlin, aber vor allem Musikerin Christiane Rösinger ins Brut. Dort spielte sie Lieder ihres schönen neuen Soloalbums "Lieder ohne Leiden" und aller Schaffenszeiten und Lebensphasen davor. Die neue Scheibe hat sie wieder mit dem Burgenländer Ja,-Panik-Sänger Andreas Spechtl aufgenommen, er ist der einzige Mann der aktuellen Tourband. Doch Konzerte von Christiane Rösinger spielen sich nicht zuletzt zwischen den Liedern ab, in ihrer Art, das Publikum zu fordern, ihre Lieder zu erklären und erschreckend sympathisch zu sein. Das Brut war wirklich voll mit einer riskanten Mischung aus Hörern gehobenen Pops im Rösinger-Alter und jungem FM4-Gemüse. Für dieses wurde eine Aftershow-Party im Schikaneder ausgerichtet.

Auch jenen, die bei Frauen andere Dinge schätzen als Verehrer Christiane Rösingers, war die vergangene Woche ein Fest. Am Freitag lief die letzte Abordnung von Miss-Vienna-Aspirantinnen anlässlich eines Clubbings in der Donaustädter Bauerndiskothek Bollwerk vor die Jury. Diese bestand aus anderen Missen, einem Big-Brother-Teilnehmer und dem Bollwerk-Geschäftsführer und bewertete Frauen mit Namen wie Althea Diamante und Jessica Solar anhand ihrer Bikinikörper. Gewonnen hat Virginia Rohrhan, sie muss sich jetzt Miss Bollwerk Vienna nennen. Das Teilnehmerinnenfeld für das große Finale am 29. April in der Millennium City ist nun komplett. Drei Flaschen Eristoff-Wodka kosteten nur 99 Euro.

Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige