Phettbergs Predigtdienst

Der war bereits totaler Fan aller Popmusik


Hermes Phettberg
Kolumnen | aus FALTER 16/17 vom 19.04.2017

Heute gab es, quasi am Karmontag, vom Gasthaus Steman, serviert von Herrn Pape Fall: Nudelsuppe, geröstete Bärlauchknödel mit Ei, Chinakohlsalat. Ich fürchte ja sehr, dass es im Jenseits dann nichts mehr zu essen geben wird.

Immer wenn Ferien sind, hält Wolfgang Kos in Ö1 von 13 bis 14 Uhr sein "Popmuseum" ab. Heute hat er es speziell dem Literaturnobelpreisträger 2016, Bob Dylan, gewidmet.

Bob Dylan wurde am 24. Mai 1941 geboren, und ich wurde am 5. Oktober 1952 geboren, bin heute im 65. Lebensjahr und bin noch immer dabei, endlich jung zu werden. 1963, als Bob Dylan 21 geworden ist, gewann er seinen ersten Preis. Und seither gewinnt er ohne Ende Preis für Preis für sein gewaltiges musikalisches Schaffen! Bei seiner Dankesrede 1963 sagte Bob Dylan wörtlich: "Es dauerte ja so lang, bis ich jung wurde!" 1963 wurde ich gerade elf Jahre alt, und heute, 2017, beginn ich schön langsam und mühsam, Popmusik zu erkennen, also auch ein bisschen jung zu werden. Ich war circa 1975 Angestellter bei der Raiffeisenbank Wien, da war ich 23 und "bereits" Senior des Kolpinghauses Meidling, wie das damals bezeichnet wurde. Da war ich schon sehr, sehr "obenauf", ich hielt immer eine Art Aufsicht unter den siebzig, achtzig Jugendlichen, die im Kolpinghaus Meidling wohnten: Wien 12., Bendlgasse 10-12.

Einmal bekam ich von einem dieser Jugendlichen -er hatte lange Haare - eine treffsichere Watschn im Aufzug hinunter. Denn er wollte aus dem Kolpinghaus hinausgeschmissen werden, der war bereits ein totaler Fan aller Popmusik. Ich hatte natürlich als Bankangestellter "schön" kurz geschnittene Haare und war als Masochist geradezu glücklich, eine Watschn von so einem feschen Kerl eingeheimst zu haben! Bis heute bemüh ich mich, mich an seinen Namen zu erinnern, doch mir fällt sein Name nicht ein. Es bestand nämlich im Kolpinghaus Meidling eine Hausordnung, dass immer ein Vierteljahr im Voraus Miete gezahlt werden muss, und es wird niemand à priori hinausgeschmissen. Heute bin ich fast 65 und muss mich noch immer sehr bemühen, endlich jung zu werden und das großartige "Popmuseum" von Wolfgang Kos zu erfassen, vor allem, weil ich nicht Englisch kann.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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