Am Apparat Telefonkolumne

Warum bekommt foodora jetzt einen Betriebsrat, Frau Siegl?

INTERVIEW: JOSEF REDL | Politik | aus FALTER 16/17 vom 19.04.2017

Dein Lieblingsgericht mit Sorgfalt geliefert" - mit diesem Slogan wirbt der Zustelldienst foodora. Für die sorgfältige Lieferung sind Fahrradkuriere verantwortlich. Nun haben die foodora-"Rider" in Österreich einen Betriebsrat gegründet. Vorsitzende Adele Siegl erklärt, was die Belegschaftsvertretung vorhat.

Welche Gründe haben den Ausschlag gegeben, dass die foodora-Kuriere einen Betriebsrat gründeten?

Ganz einfach: Es haben sich genug Leute gefunden, die den Job so gerne mögen, dass sie sich lieber für Verbesserungen einsetzen wollen, als frustriert zu gehen.

Es gab also keinen bestimmten Anlass?

Im Lauf des letzten Jahres gab es einige Veränderungen zuungunsten der Fahrer. Als ich im Oktober 2015 bei foodora begonnen habe, waren eigentlich alle Fahrer angestellt. Im Frühling des letzten Jahres wurden einige gekündigt und viele auf freie Dienstverträge umgestellt.

Geht es also in erster Linie um ein sicheres Beschäftigungsverhältnis?

Nicht nur. Im Herbst wurde auch die Garage geschlossen, die uns als Werkstatt und Community-Raum gedient hat. Die Kommunikation hat sich insgesamt verschlechtert.

Inwiefern?

Früher hatten wir öfter die Gelegenheit, unsere Ansichten einzubringen, das hat stark abgenommen. Jetzt haben wir auch ein Recht darauf, gehört zu werden.

Was wollen Sie konkret umsetzen?

Unser Ziel ist es, eine Betriebsvereinbarung bei foodora auszuverhandeln. Über einen Branchenkollektivvertrag haben wir noch nicht gesprochen. Dazu müssen wir uns auch erst mit Fahrern von anderen Unternehmen vernetzen.

Wie war die Reaktion der foodora-Geschäftsleitung auf die Betriebsratsgründung?

Zunächst etwas ängstlich. Mittlerweile ist die Kommunikation aber gut. Wir haben auch klargemacht, dass wir keinen Arbeitskampf wollen, sondern nur einen Arbeitsplatz mitgestalten, der uns gefällt.


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