Ohren auf Schumann, Mahler, ...

Liebe und Schmerz zwischen Himmel und Erde

MIRIAM DAMEV | Feuilleton | aus FALTER 16/17 vom 19.04.2017

Eben noch gaben Matthias Goerne und Markus Hinterhäuser in Wien einen Liederabend mit Schuberts "Winterreise", nun haben sie unter dem Titel "Einsamkeit"(HM) ein reines Schumann-Programm eingespielt. In jedem Ton lebt Goerne Schumanns Gefühlswelten zwischen bittersüßem Schmerz, Melancholie und Todesbetrübtheit, beeindruckend, wie geschmeidig er seine Stimme durch die unterschiedlichen Zyklen und Schaffensperioden Schumanns navigiert - kaum vorstellbar, dass sein Repertoire mittlerweile bis zum stimmgewaltigen Wotan reicht. Zu Recht gehört der Bariton zu den besten Liedsängern seiner Generation.

Jonas Kaufmann ist immer wieder für Überraschungen gut. Im Musikverein wagte er sich vergangenen Juni an der Seite der Wiener Philharmoniker unter Jonathan Nott an Gustav Mahlers "Lied von der Erde" und interpretierte die Parts von Tenor und Bariton (bzw. Alt) im Alleingang. Ein gewaltiger Kraftakt, zumal Kaufmann die Monate zuvor sämtliche Auftritte krankheitsbedingt auf Eis gelegt hatte. Das Konzert wurde mitgeschnitten und ist nun auf CD (Sony) nachzuhören, mit Kaufmann als singenden Erzähler zwischen Himmel und Erde.

2011 präsentierten Martin Walser und Christian Gerhaher im Rahmen des Coburger Festivals Lied & Lyrik Johannes Brahms' Liederzyklus "Die schöne Magelone". Gemeinsam mit Gerold Huber am Klavier machten sie den Auftritt zum Ereignis: Walser fungierte als Erzähler, dazwischen erklangen Brahms' 15 Romanzen, die Gerhaher und sein Pianist in berührende Minidramen verwandelten. Zum 90. Geburtstag des Schriftstellers ist nun das gleichnamige Doppelalbum (Sony) erschienen. Auch auf CD ergänzen sich Lyrik und Musik wunderbar, denn so wird die abenteuerliche Liebesgeschichte vom edlen Grafen Peter und der schönen Magelone erst greifbar. Dazu Brahms' Musik, die zum Schönsten gehört, was er je geschrieben hat.


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