"Ich mache das für Gott"

Ein psychisch kranker Mann fährt mit 80 km/h über einen Zebrastreifen und ruft "Allahu akbar!". Ein Passant rettet sich in letzter Sekunde. Ist das schon versuchter Mord?


BERICHT: FLORIAN KLENK
Politik | aus FALTER 16/17 vom 19.04.2017

In den Tagen vor der Tat sprach der arbeitslose Installateur Ibrahim C., 22, von Engeln und der Hölle, er nahm Schlaftabletten und er band sich einen weißen Turban um den Kopf. Weil er dachte, dass er damit schneller ins Paradies käme. So erzählt es zumindest Ibrahims Vater, ein Arbeiter aus Wien-Favoriten.

Mustafa G., der Imam der Favoritner Süleymaniye-Camii-Moschee, erinnert sich, der junge Ibrahim sei oft gekommen, aber er habe die Tage vor der Tat "kein normales soziales Verhalten" mehr an den Tag gelegt. Er sei rechthaberisch gewesen, sei angeeckt, habe "kaum Freunde gehabt" und "keinen Kontakt zu Mädchen". Der Imam, ein Soziologe, wollte Ibrahim C. schon aus der Moschee weisen, er riet Ibrahims Vater, er möge für den Sohn psychiatrische Hilfe organisieren. Doch dazu kam es nicht mehr, die Wartezeiten für den Kassenpsychiater, sagt der Vater, waren zu lange.

Der Vater, in den 1970ern aus der Türkei eingewandert, machte sich Sorgen um seinen Sohn. Religion war in der türkischen

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