Nüchtern betrachtet

Ich habe ein starkes Interesse an Käsewurst


Klaus Nüchtern

Feuilleton | aus FALTER 16/17 vom 19.04.2017

Es gab Zeiten, da sprach man der Werbung eine dämonische manipulative Kraft zu. Unter der Wahrnehmungsschwelle würden Stimuli der Verführung in unser Unterbewusstes geschleust, sodass man einem Mann, der zuvor gut mit Kaviar abgefüllt wurde, nur noch einen Film mit dem subliminalen Bild einer Limonade zu zeigen brauchte, schon verließ der den Vorführraum und konnte von Robert Culp erschossen werden ("Columbo - Double Exposure", 1973). Ich finde das aber etwas übertrieben und habe den Verdacht, dass die größte Leistung der Werbeindustrie darin besteht, die Welt von ihrer manipulativen Potenz überzeugt zu haben. Bilder und Sprache werden aber notorisch überschätzt. Tatsächlich liegt alles am Zucker, dem Koks der kleinen Leute. Der geht nämlich direkt ins Sucht-und Spaßzentrum im Hirn, und wenn man nur genug davon in seltsam geformte Flaschen mit braunem Sprudelkram tut, dann kann man unter Einsatz von sehr, sehr viel Geld den Konsumenten auch einreden, dass Coca-Cola glücklicher

  372 Wörter       2 Minuten
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige


Anzeige