Film Neu im Kino

Von der jungen Liebe: "Siebzehn"


SABINA ZEITHAMMER
LEXIKON : FILM | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017

Da wartet frau das ganze Konzert lang, bis sich ein zufälliger Moment auf der Toilette ergibt, um eine kurze Zweisamkeit zu genießen, und dann kommt eine besoffene Freundin herein, der die Angebetete die Haare halten muss. 17 zu sein ist kompliziert. Die Situation der nachdenklichen Paula scheint besonders verzwickt: Sie ist in Charlotte verliebt, die Gefühle für sie hat, aber mit Michael zusammen ist. Paula wiederum wird von Ronald und Tim umworben. Und dann ist da noch Lilli, die von Ronald nur für das eine warmgehalten wird und sich zum Spaß an Paula heranmacht.

Die österreichische Regisseurin und Drehbuchautorin Monja Art hat mit "Siebzehn" ihren ersten Langspielfilm realisiert. Angesiedelt in der niederösterreichischen Provinz kurz vor Beginn der Sommerferien, eignet ihm eine besondere Mischung von Leichtigkeit und Ernst: Ausgrenzung aufgrund von Homosexualität ist überhaupt kein Thema, das Bäumchenwechsle-dich-Prinzip so normal wie die Schuluniformen. Die Kamera folgt nicht nur der Hauptfigur, sondern zeichnet ein Bild der ganzen Gruppe - wobei die jungen Frauen deutlich im Vordergrund stehen. Präzise und humorvoll werden Gefühle in Augenschein genommen, Blicke, Gespräche und Körperkontakt beobachtet, Fantasien sichtbar gemacht. Kleine Dramen finden sich überall, ins ewige Jammertal, in dem der österreichische Film so gern siedelt, steigt Art aber nie hinab.

Bis in die Nebenrollen erfreulich besetzt -am Rande der Karikatur großartig geraten sind etwa der Französischlehrer (Christopher Schärf) und die beste Freundin (Vanessa Ozinger) - und von der begabten Elisabeth Wabitsch als Paula getragen, ist Art ein bemerkenswerter, frischer Film über die Jugend gelungen, der nur zum Ende hin kleine Längen aufweist.

Ab Fr in den Kinos


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