Film Neu im Kino

Apfelarbeit, Wunder, Hund: Der komische Aufstand

DR | LEXIKON : FILM | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017

Manch eine Landschaft ist so schön - die kann gar nicht nur einem gehören. Und: Stünden alle Italiener/ -innen zum Putzen aller öffentlichen WCs Italiens zur Verfügung, käme jede(r) nur alle 30 Jahre dran. Diese und andere Schrullen veranschaulichen in "Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes" die praktische Möglichkeit von Kommunismus.

Bürgerlich beginnt's in Berlins Kreativmilieu. Dann: ab zur Apfelernte, der Liebe und Hartz-IV-Auflagen wegen. Kreativ auch das Landleben: Johanna Orsini-Rosenberg (aus den verwandten Farcen "Soldate Jeanette" und "Win Win") hält als Apfelmagnatin dem Personal Reden voller Motivationspoesie: Lohnverzicht aus Solidarität gegen US-Obst-Trusts, Rückkehr zu Kern-Tugenden (es geht um Äpfel, nicht um Pseudo-Sozi-Kanzler). Den Habitus der Bohème und des Kapitals kontrastiert der Film nicht etwa mit rauer Arbeitsalltagsrealität; vielmehr halten die Hackelnden in der Freakigkeit ihrer Klamotten, Marotten, Sprachen und Erfahrungen dagegen, revoltieren, pilgern mit einem Bettelmönch, der mit Vögeln redet, gen Italien.

Wer nicht an proletarische Macht zum Gemeinsamhandeln ohne Hass glaubt (sondern an Kunst), wird in einen Hund verwandelt -und sei es der Regisseur selbst. Den, also sich, spielt der Wahlberliner Julian Radlmaier. In klaren Tableaus und schön steifen Reihum-Aufsagern nimmt er sich's von Godard, Achternbusch, Buñuel, Rossellini, Pasolini: Roadmovie, Märchen, Debatten, Witze. Ziel ist ein "Kommunismus ohne Kommunisten", in einer Komödie ohne Komödiantisches: statt Gags die Anmutung von deren Ankunft. Wie der Kommunismus ist auch der Schmäh im Kommen; oft kommt er gut. Und mit dem in seiner Non-Lovestory zappelnden, Radlmaier geht auch ein Gebrauchswert lockig um: ein Hauch Woody Allen, als er noch bananas war. Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige