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IT-Kolumne


ANNA GOLDENBERG
MEDIEN | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017

Vor einigen Tagen benachrichtigte mich Facebook, ich sei seit zehn Jahren Mitglied. Ich erinnerte mich an damals, als ich am PC stets die Sofortnachrichtendienste ICQ und MSN Messenger laufen ließ, ein Handy besaß, das man auf-und zuklappte, und überzeugt war, den Weg zum Weltfrieden zu kennen, seit ich den Text von John Lennons "Imagine" auf meine Zimmerwand gemalt hatte. Weil sich das mit dem Weltfrieden schnell als frustrierend herausstellte (meine potenziell virale E-Mail mit der Erklärung der Menschenrechte leitete niemand weiter), bot Facebook eine neue Chance auf Erfolg.

Ich dachte, wenn ich dort erst meine interessante Persönlichkeit unter Beweis stelle, klappt es bestimmt auch mit meiner Weltfriedenspropaganda. Ich begann also über mein aufregendes Leben zu posten. Etwa: "Anna ist müde." Die Details überließ ich der Fantasie der Leser. Dazu gelegentlich eine weiße Taube und motivierende Sprüche. "Imagine all the people /living life in peace." Dem Weltfrieden stand nichts im Wege. Die Details überließ ich der Fantasie der Leser.


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