Wie vorbei ist der Erste Mai?

Was als Kampftag und proletarisches Fest begann, verkommt zur reinen Retroshow. Ob der prominenteste Pizzabote der Nation neuen Schwung auf den Rathausplatz bringt?


RÜCK- UND AUSBLICK: KLAUS NÜCHTERN
FEUILLETON | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017


Foto: Hans Punz / APA / picturedesk.com

Die Kundgebung am 1. Mai 2016 hat ganz gute Chancen, als eine der unwürdigsten der Nachkriegsära in die Annalen der österreichischen Sozialdemokratie einzugehen. Während seiner äußerst knappen Rede wurde Werner Faymann nicht nur ausgebuht und -gepfiffen, sondern auch mit „Oaschloch!“-Rufen bedacht, und in der Konfrontation von „Werner, der Kurs stimmt“-Anhängern mit jenen, die lautstark das Gegenteil behaupteten, setzte es nicht nur metaphorische Watschen unter Genossen. Letztendlich sollte sich die Unmutsfraktion durchsetzen: Acht Tage später kam Faymann der am Rathausplatz mehrfach erhobenen Forderung nach und trat als Kanzler und Parteivorsitzender zurück.

Dabei hatte sich der zehnte Parteivorsitzende der SPÖ ehern ans Protokoll gehalten. „Der 1. Mai ist (…) ein Tag der Arbeit, ein Tag des Friedens, ein Tag der Menschlichkeit“, heißt es in einer „Redeanleitung“, die das Referat für politische Schulung der SPÖ im April 1948 auflegte. Alle genannten Begriffe hatte Faymann in seiner zweieinhalbminütigen Rede untergebracht, der Menschlichkeit lediglich die „Ordnung“ hinzugefügt, schließlich habe man „auch zu vertreten, dass Österreich nicht alleine das Flüchtlingsproblem dieser Welt lösen kann“.

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