Kommentar Doppelstaatsbürgerschaften

Alle sind gleich, nur die Türken, die sind anders


NINA BRNADA
MEINUNG | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017

Wer die österreichische Staatsbürgerschaft annimmt, der muss jene, die er zuvor hatte, abgeben. So ist das Gesetz. Ob man das für gut oder schlecht befindet, das steht auf einem anderen Blatt. Die einen finden, dass mehrere Staatsbürgerschaften der Lebensrealität vieler gerechter werden als nur eine. Die anderen sagen hingegen, man kann nicht gleichzeitig Fan von Rapid und Austria sein.

Es gibt gute Argumente für und gegen Doppelstaatsbürgerschaften. Aber um deren Austausch geht es in der aktuellen Diskussion rund um doppelte Staatsbürgerschaften von Türkischstämmigen nicht - zumal eine Gesetzesänderung ohnehin nicht zur Debatte steht.

In der aktuellen Diskussion geht es nicht um Pässe. Es geht um Türken. Es geht darum, was sie sich herausnehmen und wie man sie diszipliniert. Fangen wir also von vorn an: Was dürfen sich "die Türken" herausnehmen? Jedenfalls keine Doppelstaatsbürgerschaften. Denn die sind illegal -nicht nur für Türken, sondern für alle, Deutsche, Australier oder Russen.

Der grüne Abgeordnete Peter Pilz macht da eine Unterscheidung. Im Standard schreibt er, sein irischer Freund brauche nicht um seine Doppelstaatsbürgerschaft zu fürchten, denn Iren sind keine Türken. Es gebe keine "irische UETD, keine ATIB, keinen Erdoğan". Pilz artikuliert damit, was sich viele denken - die Türken sind irgendwie anders. Es sei nicht so falsch, sie auch anders zu behandeln.

Pilz irrt. Er macht das Recht eines Einzelnen von seiner politischen Präferenz und Herkunft abhängig. Und ganz nebenbei wünscht er damit herbei, was Erdoğan "seinen Türken" immer prophezeit hat - dass sie hier stets "die anderen" sein werden.


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