Von der Lust, sich selbst zu verarschen

Satire trifft Wienerlied: "Willkommen Österreich"-Reporter Peter Klien befragt Wiener Brut


INTERVIEW: STEFANIE PANZENBÖCK
FALTER : WOCHE | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017


Foto: Heribert Corn

Das Wienerlied-Duo Wiener Brut, bestehend aus Tochter Katharina und Vater Manfred Hohenberger, präsentiert in der Kulisse ein neues Programm. Neben musikalischen Gästen hat auch der Kabarettist Peter Klien, der seit einem Jahr für „Willkommen Österreich“ als Reporter unterwegs ist, seinen Besuch angekündigt. Er ist dafür bekannt, bei politischen und gesellschaftlichen Großereignissen provokante Fragen zu stellen und seine Gesprächspartner aufs Glatteis zu führen.

Falter: Herr Klien, Wiener Brut werden in der Kulisse neue Wienerlieder präsentieren. Aber was macht der Reporter von „Willkommen Österreich“ bei diesem Konzert?

Peter Klien: Ich werde meine Figur aus der Sendung in diesen Abend hineinverpflanzen und Vater und Tochter interviewen. Aber ich werde ihnen die Fragen vorher nicht verraten – auch wenn mich Katharina nun mit angstgeweiteten Augen anschaut.

Die Dosierung der Bissigkeit – wird sie ähnlich hoch wie bei „Willkommen Österreich“ sein, oder werden Sie es zur Feier des Abends freundlicher anlegen?

Klien: Ist das nicht freundlich bei „Willkommen Österreich“?

Ich habe einige Kollegen, die sich fragen, wann – ich zitiere – „Sie das letzte Mal eine aufs Maul bekommen haben“?

Klien: Noch nie, aber dazu kann es ja am 2. Mai kommen, weil keine Kamera da sein wird. Solange die Kamera dabei ist, traut sich natürlich niemand. Nein – ich will da sicher keine Aggression verbreiten, es geht um die gute Laune und die Unterhaltung. Es kann aber schon sein, dass eine bissige Frage meinem Munde entweicht.

Frau Hohenberger, was erwarten Sie sich von Peter Klien am 2. Mai?

Katharina Hohenberger: Ich versuche, Wienerlieder immer so humorvoll wie möglich, mit einem Augenzwinkern, zu präsentieren. Da dachte ich, dass die Satire des „Willkommen Österreich“-Reporters gut dazupassen würde. Kennengelernt haben Peter Klien und ich uns aber schon vor über 20 Jahren, als wir beide noch Schauspieler waren.

Damit haben Sie beide mittlerweile aufgehört. Warum?

Klien: Ich war mit ungefähr 25 Jahren in der Schauspielschule und immer vom Theater fasziniert. Aber ich habe bald gemerkt, dass es nicht meine Berufswelt ist. Schon allein, wie man sich Theaterdirektoren oder Regisseuren andienen muss, war mir zu mühsam.

Hohenberger: Bei mir war es ähnlich, allerdings habe ich zehn Jahre als Schauspielerin gearbeitet. Ich hatte zwischendurch auch schöne Produktionen, aber die Probenarbeit im Theater entspricht nicht meiner Art zu arbeiten. Bei einem großen Theaterbetrieb ist man abhängiger von Kollegen und Regisseuren. Als Musikerin und Veranstalterin der Wienerlied-Konzertreihe Einedrahn habe ich da mehr Eigenverantwortung. Das gefällt mir.

Bei Ihnen, Herr Klien, war der Umweg vom Schauspiel zum Kabarett ein sehr großer. Sie sind Altphilologe und Lektor an der Uni. Mit dem Kabarett haben Sie erst 2009 begonnen. Gibt es Berührungspunkte zwischen der Antike und der zeitgenössischen Satire?

Klien: In meinem letzten Programm „Offline“ ist es tatsächlich um einen Altphilologen als Bühnenfigur gegangen, der aus seiner Gedankenwelt heraus die Gegenwart kommentiert, die griechische Mythologie mit aktuellen Entwicklungen kombiniert. Da sind schon auch einige Pointen aus der Vorlesung heraus entstanden. Trotzdem versuche ich von der Auftrittsenergie her Unterschiede zu machen. Es geht mir nicht darum, auf der Uni lustig und auf der Kabarettbühne besonders tiefsinnig zu sein.

Satire und Wienerlied sind sich nicht fremd. Wie wichtig ist das eine für das andere?

Hohenberger: In meinen Liedern ist die Satire sehr wichtig. Aber ich denke, sie hat im Wienerlied grundsätzlich eine große Bedeutung. Das liegt an der Lust der Wiener, sich selbst zu verarschen.

Klien: Man nimmt nix zu ernst, hat immer eine ironische Distanz zu allem.

War das in der Wiener Musik immer schon so?

Hohenberger: Johann Nestroy hat das in seinen Couplets in den Vorstadttheatern schon früh gemacht, und das Wienerlied hat sich wohl auch zu einem gewissen Grad aus der Tradition dieser Vorstadttheater entwickelt. Es wurde gesungen, geraucht, getrunken, getanzt, und dann sind die Stücke entstanden.

Was ist davon heute noch zeitgemäß?

Hohenberger: Die Volkssängerinnen, die es damals gegeben hat, waren ja auch Volksschauspielerinnen, die aus dem Stegreif performt haben. In dieser Tradition sehe ich mich, und ich finde es lässig, diese Art des Auftretens mit ins 21. Jahrhundert zu nehmen.

Kulisse, Di 20.00


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