Tiere

Schieß drauf!

Peter Iwaniewicz fantasiert weltfremd vor sich hin | KOLUMNEN | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Amerika hat Donald Trump, der mit launigen Tweets und alternativen Fakten die Massen unterhält. Österreich ist vielleicht als Land ein Zwerg, kann aber bei unfreiwilliger Politkomik allemal mithalten. Wir haben Josef Pröll, ewiger Neffe und ehemaliger Finanzminister und Vizekanzler des Landes. In seiner Funktion als NÖ-Landesjägermeister gab er jetzt dem Kurier ein Interview in fließendem Jägerlatein. Nachdem man heuer nach längerer Zeit wieder ein Wolfsrudel mit sieben Tieren auf dem Truppenübungsplatz in Allentsteig gesichtet hatte, formierte sich sofort eine Phalanx aus Bürgerwehr und Jagdgesellschaft mit ihren apokalyptischen Visionen. Ganz vorn mit dabei Josef Pröll, der meinte, dass diese „fünfzig Wölfe“ ebenso wie Fischotter und Biber „bewusst von Ökoaktivisten ausgesetzt worden sind“. Echt jetzt? Aber es geht noch mehr: „Und jetzt stehen wir vor unglaublichen Schadenssituationen, und es muss gehandelt werden.“

Unglaublich, in der Tat. Beim Wolf spürt er zudem „einen Druck“ und glaubt, dass dieser „von Kreisen forciert wird“. Für jene bildungsfernen Kreise, die seine Botschaft noch nicht ganz verstanden haben, fasst er zusammen: „Wir lehnen alles ab, was aus weltfremden Ökofantasien angesiedelt wird.“

Apropos Bildung: Den Hinweis, dass Wölfe in Nachbarländern Österreichs wieder heimisch seien, wischte er mit geografischer Brillanz vom Tisch: „Wir sind nicht die Ukraine oder Russland mit endlosen Weiten.“ Da wird selbst die US-Republikanerin Michelle Bachmann neidisch, die behauptete, sie könne von ihrem Haus in Alaska bis nach Russland sehen.

Genug gescherzt. Durchaus ernster sieht das Thema „Jagd“ die Jugendmedienkommission beim Bundesministerium für Bildung, die Filme auf ihre Eignung für Jugendliche prüft. Die Jury dürfte – um es mit Josef Pröll zu sagen – nur aus weltfremden Ökofantasten bestehen. Über den Pro-Jagd-Film „Halali“ des Naturfilmers Kurt Mündl urteilte sie: „… das eigentlich feige Töten von Tieren aus einem Versteck oder aus einer Tarnung heraus wird nicht kritisch beleuchtet. Die Verherrlichung von Waffen und das gezeigte Frauenbild (‚Quotenfrauen‘, die entweder geschminkt im Hochstand sitzen oder als Adelige sozusagen ein Erbrecht auf die Jagd haben) wurden von der Kommission ebenfalls als problematisch bewertet.“ „Oha, do hot’s oba gschnacklt“, sagt dazu der gstandene Forstmann.


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