Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Kleingeldhort der Welt der Woche

NICOLE SCHEYERER | FEUILLETON | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017

Es ist eine aussterbende Leidenschaft: Das Sammeln von Münzen erscheint in Pokémon-Zeiten ebenso gestrig wie die Jagd auf Briefmarken oder die Kakteenzucht.

Wer jedoch das Münzkabinett betritt, das versteckt im zweiten Stock des Kunsthistorischen Museums liegt, beginnt den Reiz des geschichtsträchtigen Kleingelds zu verstehen.

Es riecht dort anders als im Rest des Hauses, was wohl an den schönen alten Vitrinen liegt. Im ersten Saal sind Medaillen ab 1400 zu sehen. Über diesen Kleinkunstwerken hängt eine Galerie der korrespondierenden Herrscherporträts en miniature. Mit diesen Erinnerungsstücken wurden nicht nur Große gewürdigt: Joseph II. ist auf einem Goldmedaillon 1741 als Baby im Profil zu sehen.

Die Geschichte des Geldes hat nicht umsonst viele Philosophen beschäftigt. Im Saal II werden spannenderweise nicht nur keltische, chinesische oder Tiroler Münzen aus der 600.000 Objekte starken Sammlung präsentiert, sondern auch Naturalgeld wie Kaurimuscheln, antike Wertpapiere oder Goldbarren.

Erfunden wurde das Zahlungsmittel aus Metall übrigens im siebenten Jahrhundert vor Christus. Eine über 2500 Jahre alte Silbermünze aus Süditalien schmückt ein nackter Apollo in Begleitung eines kleinen Schutzgeistes und eines Hirsches.

Mit der Nase nahe am Vitrinenglas lässt sich viel entdecken. Das Porträt von Konrad I. auf einem Salzburger Pfennig aus der Zeit um 1125 sieht wie moderne Kunst aus. Die Habsburger waren begeisterte Münzsammler, durch sie besitzt Österreich eine der besten Kollektionen der Welt.

Auch Maria Theresia nutzte die Verbreitung ihres Konterfeis auf Dukaten und Kreuzern, wie die kleine Sonderschau "Zuhanden Ihrer Majestät" gerade zeigt.


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