Zeit am Schirm

TV-Kolumne


MATTHIAS DUSINI
MEDIEN | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017

Eine gute Erzählung lässt dem Publikum Raum für Zweifel. Die Arte-Reihe "Re:" (werktags 19.45 Uhr) bleibt nahe an der Aktualität. Die Reportagen führen nach Griechenland, wo Mütter ihre Kinder ins Waisenhaus geben müssen, weil sie ihre Versorgung nicht bezahlen können. Vor den Wahlen in den Niederlanden fingen die Dokumentaristen die gespannte Stimmung in einem Land ein, in dem Rechte gegen Muslime hetzen.

Am vergangenen Sonntag wurde in Frankreich gewählt, kurz vorher erzählte "Re:" die Geschichte von Abdelghani Merah, dem Bruder eines islamistischen Terroristen. Der junge Mann wanderte von Marseille nach Paris, 1000 Kilometer quer durch Frankreich, um ein Zeichen gegen Hass und Terror zu setzen. Zunächst wirkte Merah wie ein wichtigtuerischer Aktivist auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Allmählich erschloss sich das Drama des Wanderers. In schlaflosen Nächten quälen ihn die Schicksale der Opfer seines Bruders, Er begab sich auf einen Pilgerweg, dessen Ziel eine Erlösung von dem seelischen Leiden war. Jeder Schritt schmerzt - und tröstet.


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