Neue Bücher Über Nachkriegskabarett und gegen Fußballklischees

BÜCHER : PLATTEN FEUILLETON | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017

Im Mai 1945 sei man nicht nur in einem materiellen, sondern auch "in einem geistigen und moralischen Trümmerhaufen" gestanden, konstatieren Iris Fink und Hans Veigl zu Beginn ihres umfassenden Werks über die Geschichte des österreichischen Kabaretts zwischen 1945 und 1970. Die Besatzungsmächte ließen die Kleinkunstbühnen zwar wieder aufsperren, das politische Kabarett machte erste Nachkriegsgehversuche und Vorkriegsgrößen wie Hermann Leopoldi und Karl Farkas kehrten zurück. Doch die Sehnsucht der Gesellschaft nach einer oberflächlichen Idylle war zu groß, um den Durchbruch kompromissloser Kleinkunst zuzulassen. Erst in den 1960ern -Qualtinger spielte das Stück "Der Herr Karl" - beginnt die Politisierung des Kabaretts.

"...und Lachen hat seine Zeit" ist sowohl eine spannende Lektüre als auch ein gut strukturiertes Nachschlagewerk, das man gern in die Hand nimmt.

STEFANIE PANZENBÖCK

Fußballfans pflegen munter ihre Vorurteile: Das ist etwa bei Männern die Vorstellung, dass Frauen per se von Fußball nichts verstehen. Und Frauen versuchen bisweilen, dem Klischee zu entsprechen und David Alaba süß, die Abseitsfalle unverständlich und dieses ganze Gekicke sinnlos zu finden.

Zum Glück gibt es eine kleine Gegenbewegung zu dieser unterkomplexen Geschlechterdichotomie: Schriftstellerinnen, die sich des Themas annehmen, wie die Dramatikerin Dagrun Hintze. Sie attestiert dem Fußball eine größere Nähe zu den Dionysien der Antike als den meisten Theateraufführungen. Wissen und Berührtsein seien Voraussetzungen, Fußball wirklich würdigen zu können. Über beides verfügt Hintze. Lässig schildert sie ihre eigene Geschichte mit dem Fußball und seinen Mythen und verteidigt seinen utopischen Kern gegen Fifa und Co. - mit einem offensiven Bekenntnis zum großen Augenblicksglück des Fußballs.

ULRICH RÜDENAUER


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