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nzz.at: Ein Online-Pionier wird abgedreht


NACHRUF: NINA HORACZEK
MEDIEN | aus FALTER 17/17 vom 26.04.2017

Innovation bedeute auch, "Dinge zu beenden, die nicht funktionieren". Mit diesen Worten verkündete Anita Zielina, Digitalchefin der NZZ-Mediengruppe, das Ende des Onlinebezahljournalismusprojekts nzz.at.

Das Portal war vom früheren Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker konzipiert worden und startete im Jänner 2015 mit hohem Selbstbewusstsein. "Wir starten jetzt. Und Sie, Herr Bundeskanzler?" ließ die damals 25-köpfige nzz.at-Gründungsmannschaft in weißen Lettern auf das Bundeskanzleramt projizieren.

Mit nzz.at wollte der Schweizer Mutterkonzern der Neue Zürcher Zeitung (NZZ) im Testland Österreich einen Markt für hochwertigen Onlinebezahljournalismus aufmachen. Die Onlineabos kosteten zu Beginn 14 Euro im Monat, 10.000 davon erwartete sich Veit Dengler, Chef der NZZ-Mediengruppe, damals.

Drei Jahre später ist das Onlinejournalismusprojekt Geschichte. Ende April wird das Portal eingestellt.

Trotz ambitionierter Recherchen gelang es dem Portal für gehobenen Netzjournalismus nie, auf dem Medienmarkt Tritt zu fassen. Schon im Herbst des Gründungsjahrs 2015 kam es, nachdem die Aboverkäufe weit unter den Erwartungen lagen, zum ersten Relaunch. Der Abopreis wurde auf neun Euro gesenkt, dem Medium ein klassischerer Auftritt verpasst. Das half genauso wenig wie der einmalige Versuch, ein nzz.at-Printmagazin auf den Markt zu bringen. 2016 mussten die ersten neun nzz.at-Mitarbeiter gehen. Im Herbst 2016 gab Fleischhacker die Chefredaktion ab. Nun werden die letzten fünf Mitarbeiter gekündigt.

Lukas Sustaller, der als Chefredakteur auf Fleischhacker folgte, bleibt hingegen bei der NZZ-Gruppe.


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