Neue Bücher Ein Ich und ein Wir

LYDIA HAIDER, LYDIA HAIDER | FEUILLETON BÜCHER : PLATTEN | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

"When I was young / I was told /to eat / more meat / to become a tall /and strong man. / But I didn't want to. / So I said, / ,The more colorful I eat / the more colorful I shit.'" Anti-Aphorismen, kurze Geschichten, Gedichtartiges oder widersinnige Sprüche, die sich doch lehrreich und ihrer eigentlichen Form anschmiegend in Geistreiches versteigen: Neben Zeichnungen, die Katzenposter unterwandern, bildet das den Kern des Bild-und Textbandes des Künstlers Peter Haselmayer.

Das "sprechende" Pseudonym Walter Ego lässt unmittelbar erkennen, dass es hier um ihn selbst geht. Aber auf ganz andere Weise, als man es erwarten könnte. In bewusst dilettantischem Englisch und mithilfe eines Gorillas (eines Stofftiers, das ihm seine Eltern nie geschenkt haben) werden genussvoll Scheitern und konsequente Verweigerung vorgeführt. Etwas sehr Wesentliches ist Bild wie Text inne: Dringlichkeit. Das musste jemand aus sich rauslassen.

Wir sind Helden, Kaiser und leider keine Millionäre. Kein Ich, sondern ein Wir stellt Paul Divjak ins Zentrum seines jüngsten Buchs "Tamagotchi Tanzmusik", das ein Gegenstück zu seinem Popliteraturabgesang "Das war Pop" (2014) bildet. Was die beiden Bände des Autors und Medienkünstlers eint, ist der Hang zum Zitat und zum munteren Namedropping kreuz und quer durch die Geschichte der Popkultur -von Jack Kerouac bis Scooter, von Songtextschnipseln ("Oh, Champs Elysée!") bis Dr. Sommer.

Divjak nimmt das Dauerrauschen der (sozialen) Medien her und kippt es in ein Buch hinein. Dabei organisiert er das Material nicht in Form einer Erzählung, sondern als assoziatives Dauerfeuer. An manchen Stellen möchte man spontan "Gefällt mir" klicken, an anderen "Ich möchte das nicht sehen". Klar ist am Ende nur eines: Es gibt keinen Ausweg aus dem Informationsloop.

SEBASTIAN FASTHUBER


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