Nüchtern betrachtet

Für eine halbe Handvoll Orecchiette mehr

Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: faltershop.at/nuechtern | FEUILLETON | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Meine stets gut aufgelegte Dienstleisterin erzählte mir unlängst leicht angewidert von einer Szene der Arbeitssymmetrie im öffentlichen Raum, bei der ein urblader Typ eine junge Frau schaffen lassen und sich nicht im Geringsten geneigt gezeigt habe mitanzupacken, obwohl ihm das sicher nicht geschadet hätte. Darauf meinte ich, dass mir Selbstoptimierungsphlegma durchaus nachvollziehbar sei: Wenn ich, sagen wir, 180 Kilo habe und mir 30 runterhungere, bin ich noch immer 150 Kilo schwer. Dass man da irgendwann einmal drauf scheißt, versteh ich irgendwie.

Der Spruch "Alles verstehen heißt alles verzeihen" ist so nicht richtig, aber fast. Verstehen wirkt jedenfalls empörungshemmend und macht alles komplizierter. Mir geht auch das Geimpfte auf, wenn junge Unterschichtmuttis sich von ihren altersadäquat quengeligen Balgen ihrerseits megagenervt zeigen, weil sie sich jetzt viel lieber mit ihrem Smartphone beschäftigen wollen als mit dem depperten Kind, aber dann denke ich, dass die vielleicht

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