Galle, Gift und Terrorclown

Das Black Humour Festival im Linzer Posthof zelebriert lustvoll die Schlagseiten der Komik

VERONIKA KRENN | BUNDESLÄNDER : PROGRAMM | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Er könnte so etwas wie die schwedische Antwort auf Brad Pitt sein - nur dass bei Trash-Zauberer Carl-Einar Häckner schon einmal reichlich Blut spritzt, wenn er sich bei der Ausübung seiner Kunst einen Körperteil abschneidet oder ihm eine Gabel ins Auge rutscht. Es wird rabenschwarz im Linzer Posthof für die kommenden Wochen -denn das Black Humour Festival verströmt seinen subversiven Charme.

Neben satirischem, abgründigem und galligem Humor kann es auch richtig fies werden: Terrorclown Leo Bassi testet mit seinem neuen Programm die Kraft der Unschuld. Yllana, die spanischen Körperkünstler, wagen sich ins Kriminal und "Die Tagespresse Show" schießt eine mediale Nebelgranate als Antwort auf die Medienkrise ab.

Aus dem hohen Norden hat sich TV-total-Star Carl-Einar Häckner mit "Scherben" angesagt, ein Programm das Bruchstücke seines Lebens aus einer Trickkiste holt. Sein Entfesselungskünstler-Hund "Houndini" soll entwirren, was sich verheddert hat. Schriftsteller, Comictexter, Polemiker und Kabarettist Max Goldt knöpft sich bei der Lesung aus seinem Buch "Lippen abwischen und lächeln" Sprachbarbaren vor und sucht das Skurrile im Alltag.

Der italienische Anarcho-Clown Leo Bassi blickt in "The Power of Innocence" auf das Erbe seines Großvaters Giorgio Bassi. Aufnahmen aus 1896, die seinen Vorfahren in Filmen der Filmpioniere Brüder Lumière zeigen, kontrastiert er mit dem Heute. Die kindliche Naivität, die Unschuld von damals, setzt er ins grelle Licht der Gegenwart. Leo Bassi, der auf der Bühne auch schon mit Benzin und Feuer hantierte und gelöscht werden musste, macht mit seinen politischen, provokanten und tabubrechenden Programmen Furore.

"Die Tagespresse Show" bringt als "Live-News" auf die Bühne, was das satirische Onlinemedium unter Gründer Fritz Jergitsch täglich durch den Äther jagt. Sagenhafte Breaking News rütteln die Welt auf: Hitlers Aufnahme an der Kunstakademie steht nichts mehr im Wege, der Zweite Weltkrieg ist ungültig und muss wiederholt werden -die Grenze nach Polen wurde um zwei Sekunden zu früh überschritten.

Inspiriert von Gangster-und Kriminalfilmen haben sich die spanischen Körperkünstler des Kollektivs Yllana in "The Gagfather" ans Werk gemacht: Eine Bande gruseliger Clown-Gangster treibt in der Stadt ihr Unwesen und wird von halbgaren Polizisten gejagt. Yllanas schwarzer Humor, zum Ende des Festivals, zündet wortlos, aber deshalb nicht minder.

Linz, Posthof, 4. bis 24. Mai


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