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Versunken im Schlamm der Stereotype


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LEXIKON : MUSIK : KINDER | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Als der junge englische Theatermacher Jethro Compton 2016 seine einzigartige Westerntrilogie in Wien zeigte, schleckte man sich hier alle zehn Finger nach ihm ab. Am Theater der Jugend dramatisiert, inszeniert und bebildert er nun den US-Jugendroman "Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff" von Louis Sachar für ein Publikum ab elf. Wenn der Vorhang die Bühne freigibt, erweckt der erste Blick Assoziationen an Computerspiele und Seuchenthriller und lässt einen spannende Stunden erwarten.

Dann jedoch die Enttäuschung: Die Kids, die im Wald rund um ihre Highschool auf einen gesundheitsschädlichen Schlamm stoßen, sind üble Klischeefiguren (Streberin, Schüchti, Bully, Tussi, Dummchen), deren Stereotype mit jedem einzelnen Satz, den sie sagen, einbetoniert werden. Compton, der hier in einer Sprache arbeitet, in der er nicht firm ist, hätte rege Mithilfe der Dramaturgie gebraucht, um zu verhindern, dass typisch amerikanische Standardfloskeln wie "You should go now" auf Deutsch klingen wie aus schlecht synchronisierten Nachmittagsserien.

Mit eingespielten Songs und bunten Kostümen aus den 1980ern, in denen die Geschichte spielt, versucht Compton, ein heiteres period piece aus dem Ökoabenteuer zu machen. Aber kennen die Kids von heute überhaupt die Ninja Turtles? Schauspieler von Claudia Waldherr bis Stefan Rosenthal, die die Kinder mimen, haben kaum Entfaltungsmöglichkeiten, nur Rafael Schuchter als einziger Erwachsener spielt sich in den Rollen als freundlicher Lehrer und schrulliger Wissenschaftler ein bisschen frei. Dass Wien und konkret das Theater der Jugend sich den talentierten Jethro Compton gekrallt haben, ist eine gute Sache. Aber hoffentlich traut er sich - und seinem Publikum -das nächste Mal mehr zu.

Theater der Jugend -Theater im Zentrum, Fr, Mo-Do 16.00, Sa, So 15.00,18.30


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