Im Wiener Exil

Ich hatte mich als Juristin jahrelang gegen den Verfall der Türkei gestemmt. Bis ich nicht mehr konnte und nach Österreich ging


AUFZEICHNUNG: NINA BRNADA

POLITIK | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Ich wollte keine Probleme, also trug ich Hosen. Wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Istanbul unterwegs war, kleidete ich mich unauffällig. Ich wollte jeden Grund vermeiden, weswegen man mich anstänkern könnte. Dazu reicht manchmal schon ein kürzerer Rock. Niemand stünde mir bei, ich bekäme Probleme, vielleicht Prügel.

Als Anwältin bist du besonders vorsichtig. Die staatlichen Institutionen in der Türkei sind Teil des Problems. Wenn du angegriffen wirst, werden sie fragen, womit du provoziert hast; auch bei Vergewaltigung und Mord. Wenn beispielsweise ein Mann seine Frau umbringt, kann es sein, dass der Richter fragt, ob die Frau ihren Mann mit der Benutzung von zu viel WhatsApp verärgert hat. Oder ob sie Make-up trug, während er nicht zu Hause war.

Ich stamme aus einer linken Lehrerfamilie, ich bin das einzige Kind meiner Eltern. Als Schülerin hatte ich vor niemandem Angst. Nachts ging ich allein durch Istanbul. Mein Vater musste mich nie von einer Party abholen.

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