Sport Glosse

Zinédine Zidane und die Weigerung, sich verhöhnen zu lassen

STADTLEBEN BEWEGUNG | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Im WM-Finale 2006 streckte der Franzose Zinédine Zidane den Italiener Marco Materazzi mit einem Kopfstoß in die Brust nieder. Er wurde ausgeschlossen, die Italiener gewannen das Elfmeterschießen. Zidane ging in Pension und versöhnte sich nie mit Materazzi, der ihn und seine Schwester verhöhnt hatte. Jetzt nahm Zidane Stellung zur Zumutung der fremdenfeindlichen und rechtsradikalen Ideen von Marine Le Pen. "Die Ideen des Front national sind mir fern", sagte er, Le Pens Sieg bei der französischen Präsidentenwahl am kommenden Sonntag müsse "verhindert" werden.

1998 hatte Zidane eine aus Vertretern verschiedener Ethnien zusammengewürfelte französische Nationalmannschaft zum WM-Titel geführt. Die Elf galt als Symbol für die gelungene Integrationspolitik Frankreichs. Ein voreiliger Schluss, wie die Kämpfe in den Paris Banlieues zeigen sollten. Prominente Sportler vermeiden in der Regel politische Stellungnahmen. Nicht so Zidane. Die Worte des Sohnes algerischer Einwanderer lassen eine Ahnung zu, dass in der Mannschaft damals doch mehr steckte als Talent, Wille und Disziplin. Etwas, das sie immer beschwören und das so selten im Sport und überhaupt zu finden ist: Anstand.


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