Wieder gelesen Bücher, entstaubt

Expedition zum "White Trash"

TILL HILMAR | POLITISCHES BUCH | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Die Soziologin Arlie Hochschild bereiste fünf Jahre lang den US-Bundesstaat Louisiana, eine Region mit einer miserablen Gesundheitslage und einer katastrophalen Umweltsituation. Sie porträtiert die dortigen Menschen, die stolz darauf sind, keine "poor me" zu sein, und das Jammern verachten.

Sie haben ein großes Herz, achten ihre Gemeinschaft wie ihren Gott und halten ehrliche Arbeit hoch. Sie sind der Meinung, dass jeder auch das bekommt, was er verdient, wenn er nur den nötigen Willen aufbringt. In ihrer Welt gibt es nur eine einzige Quelle der Missstände, die "Regierung".

Die Mehrheit der weißen, älteren Bevölkerung in Louisiana ist überzeugt, dass sie hintergangen wird. Hochschild hat für dieses Selbstbild eine aussagekräftige Metapher gefunden. Die "aufrichtigen" Menschen stellen sich seit Jahren in einer Schlange an, die ihren Weg zum amerikanischen Traum symbolisiert. Nun aber drängeln sich andere vor. Es sind Schwarze, Frauen, Homosexuelle oder Flüchtlinge; Gruppen, so die Überzeugung, die einen Opferstatus für sich reklamieren und mit diesem Argument schnell nach vorne rücken.

Das ist die von Hochschild so genannte "deep story" der konservativen Revolution Donald Trumps, dessen Wahlsieg in diesem Buch vorweggenommen wird.

Arlie Russell Hochschild: Strangers in Their Own Land. Anger and Mourning on the American Right. The New Press, 2016, 368 S., € 28,73


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