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Die Geburtsstunde einer Republik

BERICHT: JOSEF REDL | MEDIEN | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Wenn 200 Menschen bei Schneeregen um sieben Uhr früh in einer Schlange stehen, gibt es in der Regel etwas umsonst. Oder man will ein besonders wertvolles Gut erwerben. Das kann ein iPhone sein. Das kann aber auch unabhängiger Journalismus sein.

Die Menschenmenge, die sich am Mittwoch vergangener Woche vor dem Zürcher Hotel Rothaus einfand, wollte Journalismus finanzieren. Republik heißt das Online-Medium. Ein politisches Magazin soll es werden, besser: wird es werden. Das Crowdfunding-Ziel von 750.000 Schweizer Franken wurde bereits am ersten Tag weit überschritten. Die Rechnung zur Gründung war einfach: 3000 Investoren, die durch einen Beitrag von 240 Franken Genossenschafter werden und die Arbeit von zehn Mitarbeitern teilweise finanzieren.

An den Erfolg des Crowdfundings war die Zusage einiger Investoren gekoppelt, die nun 3,5 Millionen beisteuern (und dafür höchstens 30 Prozent der Stimmrechte erhalten)."Wer Journalismus macht, übernimmt Verantwortung für die Öffentlichkeit", heißt es in einem Manifest, das die Gründer um den Journalisten Constantin Seibt veröffentlicht haben. Das gilt auch umgekehrt, das Crowdfunding übertrifft alle Erwartungen: "Heute morgen sind wir als freie Menschen aufgestanden. Und jetzt, seit 15 Uhr, haben wir über 3000 Verlegerinnen und Verleger", stand am Mittwoch auf der Website republik.ch.

Am Donnerstag wurde ein neues Ziel ausgegeben: 700 Mitglieder, damit ein elfter Mitarbeiter eingestellt werden kann.

Derzeit haben rund 8500 Mitglieder über zwei Millionen Franken beigesteuert, laut Republik Rekord für ein journalistisches Crowdfunding.


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