Landrand Ruralismus

Wie viel Betteln halten wir aus?

Gerlinde Pölsler über Möglichkeiten, das Betteln vernünftig zu regeln | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Großes Ärgernis: Notreisende, die Passanten anschnorren", "Neuer Anlauf für Bettelverbot". Mit dem Frühling schwillt alljährlich auch das Klagelied über bettelnde Menschen an, die nun wieder verstärkt auf den Straßen zu sehen sind, und blühen die Fantasien, wie man die Armen ein für alle Mal aus dem Blickfeld verschwinden lassen könnte. Wenigstens "aus unserer schönen Innenstadt". Stört ja wirklich die Aussicht. In Graz und Salzburg, in Lienz und Grieskirchen, überall ertönt der Ruf nach (noch mehr) Tabuzonen.

Zum Handeln gezwungen sah sich auch ein evangelischer Pfarrer, so das Salzburger Fenster. Einige Schäflein wollten nicht mehr zur Messe kommen; sie wollten Ruhe und Andacht und nicht Bettler vor der Kirche und auch noch beim Kaffee nach dem Gottesdienst. Jetzt hat die Pfarre Regeln ausgegeben. Vier Leute dürfen am Sonntag vor der Kirche betteln, wer das ist, entscheidet das Los. Wer leer ausgeht, bekommt eine Jause. Auch zu Kaffee und Kuchen ins Kirchencafé sind die Bettelnden eingeladen, aber nicht mehr als acht gleichzeitig. Nun ist wieder Ruhe eingekehrt -und zwar ohne die Bettler einfach nur wegzusperren . Und siehe: Alle halten's aus.


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