Lohn: Liebe, Lob und Lügen

In sogenannten "kreativen" Branchen wird immer häufiger erwartet, dass gratis gearbeitet wird. Mit neuen digitalen Tricks, die den uralten Schmähs sehr ähneln

BEZAHLTER TEXT: SIBYLLE HAMANN | POLITIK WIRTSCHAFT | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Die Anfrage kommt in der Regel leichtfüßig daher. Sie ist vertraulich in der Anrede und kumpelhaft im Tonfall, dann folgen meistens ein paar schmeichlerische Sätze, bis sie ins eigentliche Begehr mündet: Ob man denn nicht, bitte schön, dies oder das schreiben wolle. Ob man denn nicht, bitte schön, hier oder dort auftreten und reden könne. Das Thema sei doch so wichtig, der Auftraggeber so interessiert, so viele andere tolle Leute hätten schon zugesagt. Und da wäre es doch großartig, wenn man seine Expertise ebenfalls einbringen würde.

Meine Antwortzeile auf solche Anfragen ist mittlerweile beinahe automatisch, sie lautet: "Liebe(r) Frau/Herr X! Danke für Ihre Anfrage. Im Prinzip gern. Was wäre denn als Honorar vorgesehen?" Darauf folgt -fast immer -eine längere Funkstille, in der ich mir einbilde, durchs Glasfaserkabel hören zu können, wie es am anderen Ende rauscht und knirscht. Bei der Hälfte der Antworten wird schließlich ein konkreter Betrag genannt (über den man sich

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