Stadtrand Urbanismus

Die Eventisierung des Wartens

Birgit Wittstock wundert sich über bereitwillige Schlangesteher | STADTLEBEN | aus FALTER 18/17 vom 03.05.2017

Vergangene Woche war auf der Mahü wieder einmal das Phänomen "Generation Warteschlange" zu beobachten: Foot Locker präsentierte den neuen Sneaker von Rapper Kanye West und Tage vor der eigentlichen Turnschuhbeschau standen junge Leute stundenlang an, um sich registrieren zu lassen.

Neu ist das Schlangestehen nicht - wahrscheinlich tut das der Mensch, seit er Waren tauscht. Was neu ist, ist die Verve, mit der sich heutzutage die Füße in den Bauch gestanden werden: Ob es nun - relativ profan -um veganes Bioeis, fettige Kettendonuts, besonders schmucke Apple-Gadgets oder eben besagte Sneakers geht, die meist jungen Menschen stellen sich gutgelaunt und bereitwillig stundenlang an, weil das Warten längst selbst zum Event geworden ist. Ganz so, als würde der Coolheitsfaktor der jeweiligen Marke auf die wartende Masse abfärben. Das Selfie in der Sneaker-Warteschlange ist plötzlich beinahe so fancy wie eines mit Kanye West höchstselbst.

Im Supermarkt oder auf Ämtern funktioniert diese Eventisierung des Wartens nicht. Wer will schon im Schein von Hausverstand und Co baden?


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