Kürze und Keyboards: Daniel Wisser als Autor und Musiker

FEUILLETON | aus FALTER 19/17 vom 10.05.2017

Daniel Wisser war zunächst vor allem als Gründungsmitglied der Konzeptpopgruppe Erstes Wiener Heimorgelorchester (EWHO) bekannt, die seit 1994 billige Keyboards auf originelle Weise malträtiert. Mit dem Lied "Vaduz" hatten die Heimorgler in Liechtenstein einen Hit, hierzulande gewannen sie mit "Widerstand ist Ohm" 2009 den Protestsongcontest. Neben zahlreichen Alben mit eigenen Stücken veröffentlichten sie auch "Die Mensch-Maschine", einen detailgetreuen Nachbau des klassischen Kraftwerk-Albums in ihrem ureigenen Stil.

Dabei schreibt Wisser, 1971 in Klagenfurt geboren, schon ebenso lang. Es brauchte jedoch seine Zeit, bis er publikumswirksamere erzählende Formen wagte. Er studierte an der Uni Wien Germanistik und vertiefte sich in Autoren wie Andreas Okopenko, Peter Handke und Ernst Jandl. Daneben wurde er auch durch Spielkonsolen und Home-Computer geprägt.

Sein Debütroman "Dopplergasse acht" erschien 2003. Wisser verfolgt den Anspruch, dass jedes Buch anders ist und eine ganz eigene Form hat. Der Roman "Standby" etwa lehnt sich an die Sprache von Gebrauchsanweisungen an, ein Kapitel daraus trug der Autor 2011 beim Bachmannpreis vor. Leeres Wortgeklingel ist ihm fremd, seine Texte leben von Verdichtungen.

Seine Bücher sind durchwegs ziemlich schmal, so auch aktuell "Löwen in der Einöde". Nebenbei haut er auf Twitter Kürzesttexte zwischen experimentell und Kalauer raus.

Die Kürze hat freilich auch ökonomische Gründe. Bis dato arbeitete Daniel Wisser als Softwareentwickler - mal Vollzeit, mal Teilzeit, mitunter auch von Schreibstipendien unterbrochen. Nun will er sich gänzlich dem Schreiben widmen und auch umfangreichere Prosaprojekte umsetzen. Die Idee zu dem Roman mit einer Castingsituation, die ihn in die "Millionenshow" führte, trägt er bereits seit 1999 mit sich herum.


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