Kindertheater Kritik

Das Leben ist hart, wenn du dänischer Prinz bist


MP
Lexikon | aus FALTER 19/17 vom 10.05.2017

Stell dir vor", sagen sie den Zuschauern immer wieder von der Bühne aus: eine alte, aber wirksame Methode, um gerade ein junges Publikum abzuholen. Die Kids ab 14 stellen sich dann eben vor, dass die Geschichte vom Prinzen Hamlet und seiner - gelinde gesagt - zerrütteten Familie auch etwas mit ihnen zu tun hat. Assoziationen zu psychologischen Horrorfilmen mit leichenblassen Kinder in schicken Anzügen oder Nachthemden in Videoeinspielungen auf zahlreichen Fernsehern und ein vermeintlich zufällig aus den Zuschauern erwählter Laertes sollen die Fallhöhe weiter reduzieren.

Erzählt wird in zweimal 45 Minuten aber trotzdem die bekannte Geschichte, die das Burgtheater noch vor gar nicht allzu langer Zeit auch in einer Sechs-Stunden-Fassung im Repertoire hatte. Denn "Hamlet, Ophelia und die anderen" von Stephan Lack und Cornelia Rainer (die auch Regie führt) könnte genauso gut auch "Hamlet und die anderen" heißen - oder halt "Hamlet". Text aus dem Original und aus der Schlegel-Übersetzung wird geschickt mit jugendgerecht vereinfachten Dialogen und "Stell dir vor"-Passagen ergänzt. Stell dir vor, du hast noch nie im Theater einen Shakespeare gesehen. Dann ist diese Version wahrscheinlich ein ganz guter Soft-Einstieg.

Den Schauspielern geht der alte wie der neue Text locker von der Zunge: Sven Dolinski ist ein verschüchterter Hamlet, der seiner Mama (süßnaiv: Dorothee Hartinger) gegenüber aber auch ordentlich auszucken kann. Peter Knaacks Claudius beeindruckt vor allem in einer Szene, in der ihm vor Schuld (weil: Brudermord und so) richtig schlecht wird. Schmunzeln lässt einen dafür Marcus Kiepe als schrulliger Polonius. Ophelia, obwohl sie im Titel vorkommt und Christina Cervenka wirklich ihr Bestes gibt, hat leider auch in dieser Version nicht sehr viel zu melden.

Burgtheater-Kasino, Mo, Mi 19.00


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