Kommentar Kultur

Test bestanden: Thomas Edlingers erstes Donaufestival


MARTIN PESL
MEINUNG | aus FALTER 19/17 vom 10.05.2017

Thomas Edlinger hatte in große Fußstapfen zu steigen. Sein Vorgänger als Intendant des Donaufestivals, Tomas Zierhofer-Kin, war für die Erneuerung und Entprovinzialisierung des Kremser Musik-und Performancefestivals so einhellig gelobt worden, dass man ihm die vielfach größere Aufgabe der Wiener Festwochen anvertraute.

Nach der ersten von Edlinger kuratierten Ausgabe sieht es so aus, als hätte dieser alles richtig gemacht. Er hat Ordnung ins Gewaber aus Soundscapes und performativer Trance gebracht und dabei weder die Qualität des Programms noch die Stimmung seiner Konsumenten gedrückt. Im Gegenteil. Wo einen nach der Veranstaltung Food-und Drinktrucks abholen, erst da ist Festival.

Die Performance-Kuratorin Bettina Kogler holte kluge und gehaltvolle internationale Arbeiten nach Krems, die aus der globalisierten Festivalsuppe herausstechen. Selbst eine alte Häsin wie Doris Uhlich wirkte im neuen Setting mit durchdachtem Konzept frisch: Die nackten Tänzerinnen und Tänzer aus ihrem Klassiker "more than naked" wurden in der Dominikanerkirche zur einladenden Dauerinstallation.

Musikalisch war für jeden Geschmack etwas dabei, sodass man sich unter dem Titel "Stockholm-Syndrom" sogar in Auftritte traute, über die man vorher nichts wusste. Auch Talkformate zum Generalmotto Empathie nahm das Publikum wohlwollend und zahlreich in seinen Festivaltag auf.

Dass die Programmpunkte dank der Einführung von Zählkarten und einem Reservierungssystem auch noch mit szeneunüblicher Pünktlichkeit begannen, macht fast Angst vor der Perfektion des Festivalorganisators Thomas Edlinger.

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FALTER 50/18

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