Concordia-Preisverleihung: Mut und Unmut


BERICHT: ARMIN THURNHER
MEDIEN Erscheinungen Personen, Trends, Kampagnen | aus FALTER 19/17 vom 10.05.2017

Aktueller hätte die Preisvergabe kaum ausfallen können. In der Kategorie Pressefreiheit wurden vergangenen Mittwoch im Parlament jene etwa 160 Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet, die sich derzeit in der Türkei in Haft befinden. Als Laudatorin sprach Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin des Standard, von einer Ungeheuerlichkeit. Die österreichische Botschaft in Ankara hatte - formal korrekt, wie sich das Ministerium zu versichern beeilte - trotz vorliegender Einladung der Concordia das Visum-Ansuchen jenes türkischen Journalisten abgelehnt, der den Preis hätte übernehmen sollen. Ismail Eskin zog seinen Antrag zurück, da ihm eine Ablehnung eine Speicherung im Schengen-System und damit Reiseunfreiheit in die EU eingetragen hätte. Immerhin war seine mutige Kollegin Banu Güven gekommen (vgl. Falter 18/17). Sie wies darauf hin, was es bedeute, für Pressefreiheit seine leibliche Freiheit einzusetzen oder gar sein Leben zu riskieren.

Auch bei der Verleihung des Preises für das Lebenswerk fehlten aktuelle Bezüge nicht. Peter Huemer, seit Jahrzehnten Ikone des ORF ("Club 2","Im Gespräch"), sagte mit Bezug auf die Attacken führender ORF-Mitarbeiter gegen Armin Wolf, er habe erlebt, wie man Sendeformate gezielt kaputtmachen könne. Es drohe ein neuer parteipolitischer Proporz im ORF. Das gehe uns alle an.

Den Preis in der Kategorie Menschenrechte erhielt Edith Meinhart vom Profil. Sie wies auf die universelle Gültigkeit von Menschenrechten hin, die nicht nur Minderheitenrechte seien und gerade deshalb oft unbequem. Auch Nationalratspräsidentin Doris Bures betonte die Notwendigkeit einer freien Presse für demokratische Politik.


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