Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Das beste Gericht der Welt der Woche


BARBARA TÓTH
FEUILLETON | aus FALTER 19/17 vom 10.05.2017

Diese Woche ist es ein Zwiebelrostbraten, letzte Woche war es ein Fiakergulasch, nächste Woche kommt das Beinfleisch, klassisch, mit Rahmfisolen und Rösti. "Wiener Wochengericht" nennt Wirt Attila Corbaci in seinem Lokal Café Corbaci im Museumsquartier die von ihm kuratierte Reihe an kulinarischen Wirtshausklassikern.

Corbaci ist selbst ein Wiener Klassiker. Ende der 1970er-Jahre kellnerte er im Berliner Restaurant Exil, Anfang der 1980er im Wiener Künstlerlokal Oswald &Kalb. 1990 gründete er das Café Engländer, 2011 übernahm er das schöne, geflieste Lokal neben dem Architekturzentrum. Vermutlich gibt es in dieser Stadt keinen besseren Mann, um die gute alte Wiener Küche wiederzuentdecken, die aus einfachen Zutaten und den "schlechten" Teilen vom Fleisch höchsten Genuss schafft. In der Metropole des Vielvölkerstaats wurde nämlich schon "from nose to tail" und nach der "Farm to table"-Logik gekocht, da waren die Urgroßeltern der heutigen Hipster noch nicht einmal geboren.

Begonnen hat Attila Corbaci mit seinem "Wiener Wochengericht" in der Fastenzeit. Geradlinig zubereitet, ohne viel Chichi, preislich fair kalkuliert, als Mittagstisch oder -falls es noch nicht aus ist, was schnell passieren kann -als unkompliziertes Abendessen. So kam die leicht gesurte Kalbszunge endlich wieder zu Ehren oder eine Seltenheit wie der geniale gebackene Kalbskopf, das legendäre Blunzengröstl, zu Ostern dann ein fein papriziertes Beuscherl vom Kitz.

Corbaci kann man übrigens italienisch "Korbatschi"(wie die Kellnerin) oder pseudo-ungarisch "Schórbódschi" (wie unser Herausgeber) aussprechen. Wie auch immer, eines steht fest: Viel besser als beim Wiener Wochengericht im Corbaci lässt es sich in Wien derzeit nicht wienerisch speisen.


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