Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Radlberger Orangen-Limo

Leben in der Zeitkapsel: Von Schlankmacherlimos und Aludosen

STADTLEBEN ESSEN TRINKEN | aus FALTER 19/17 vom 10.05.2017

Die Botschaft schlug ein wie ein Plastiksack mit Gegenwind: Radlberger bringt die erste zuckerfreie Orangelimonade in der Dose auf den Markt.

Prinzipiell ist nichts gegen industriell gefertigte Orangelimonade einzuwenden. Der temporäre Gusto auf diesen Geschmack aus frühester Kindheit, als statt Radlberger noch Keli in die Gläser floss, wird einen bis ans Ende begleiten. Nur sollte dieser Geschmack so zuckerhältig und unverfälscht wie nur möglich bleiben, damit das Verlangen nicht durch irrwitzige Light-Gedanken getäuscht wird.

Wenn man sich die Limonaden-Neuerscheinungen so ansieht, dann wird man mit allerhand pflanzlichen Süßungsmitteln konfrontiert oder Pflanzliches ist der Ausgangspunkt für chemische Verarbeitung, so wie das bei incredible tasting Stevia der Fall ist. Da fällt ja Mateschitz mit seinem neuen "Carpe Diem Kurkuma" mit der Ingredienz Rübenzucker schon fast aus der Rolle. In die Zuckerfalle tappen sicherlich jene, die denken, Süßstoff sei ein Schlankmacher. Das Credo: am besten nur hin und wieder - ob mit Zucker oder Süßstoff.

Das Plus an Radlberger ist, dass es ein heimischer Erzeuger ist, bei dem 1200 Euro-Paletten täglich die Firma verlassen. Das ist nicht wenig und zeugt von Widerstand gegen Coca-Cola.

Das Sortiment ist durchwachsen: Egger-Bier, Wein in Doppel-Liter-PET-Flaschen, klassische zuckerhältige, aromatisierte Limonaden: Alles, was der breite und genügsame Gaumen verlangt, ist da. Das Einzige, das hier mit dem Zeitgeist geht, ist die schlanke Aludose. Von Hipstern im Spätkauf erstanden oder von Craft-Bier-Menschen als bester Aromaschutz gepriesen: Wir leben in traurigen Zeiten. MS

Rezensierte Getränke wurden der Redaktion fallweise kostenfrei zur Verfügung gestellt

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