Wieder gelesen Bücher, entstaubt


BARBARA TÓTH
POLITISCHES BUCH | aus FALTER 19/17 vom 10.05.2017

Islamophobie, revisited Mit dem Begriff Islamophobie haben viele Schwierigkeiten. Islamangst? Was soll das heißen? Der Begriff kommt aus dem Englischen und leitet sich von Xenophobie ab, wörtlich übersetzt "Fremdenangst", übertragen "Fremdenhass". Die Europäische Union veröffentlichte nach dem 9/11-Attentat einen Bericht mit dem Titel "The Fight against Anti-Semitism and Islamophobia: Bringing Communities Together".

Kann man Antisemitismus und Islamophobie vergleichen? Der Kulturwissenschaftler Matti Bunzl, Direktor des Wien Museums, griff diese Frage schon 2007 auf. Bunzls These ist, dass unter Rechtspopulisten, aber auch Europas bürgerlichen Parteien ab Mitte der 1990er-Jahre die Angstmache vor Muslimen die Angstmache vor Juden abgelöst hat. Der Islam wird als zivilisatorisch minderwertig, mit westlichen, europäischen, christlich-jüdischen Werten inkompatibel dargestellt. Juden, einst die Bedrohung für den "Volkskörper", wären inzwischen Teil Europas, quasi inkorporiert. Deswegen gelte Israel in der arabischen Welt als verhasste europäische "Kolonie". Muslime seien die neue "Bedrohung" von außen, nicht nur für den Nationalstaat, sondern für Gesamteuropa.

Matti Bunzl: Anti-Semitism and Islamophobia: Hatreds Old and New in Europe. Prickly Paradigm Press, 120 S., € 12,60


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