Tiere

Streckrekord

Falters Zoo | aus FALTER 19/17 vom 10.05.2017


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Fleur und Sofie kommen nach Schönbrunn!“, jubelt die Presseaussendung. Monarchisten freuen sich da zu früh, denn das sind keine zwei Königskinder, die ihr verlorenes Reich besuchen, sondern zwei Netzgiraffen aus dem Zoo in Rotterdam. Und sie kommen, um zu bleiben. Passender Anlass ist die dieswöchige Eröffnung des neuen Giraffenparks im Tiergarten Schönbrunn.

Als Giraffenparadox bezeichnet man den Umstand, dass eine weltweit bekannte Tierart zwar bereits von Dreijährigen erkannt wird, aber selbst gebildete Menschen kaum etwas Genaueres über diese Tiere wissen. Erst 2016 entdecken Wissenschaftler, dass „die Giraffe“ eigentlich vier verschiedene Arten sind, die sich noch in weitere Unterarten aufteilen.

Und nur Tierpfleger wissen, dass sich diese Paarhufer nicht zum Kuscheln eignen, denn ihr Fell stinkt nach Fäkalien. Mit chemischen Stoffen wie Skatol und Benzaldehyd schützen sie es vor Pilzen und Parasiten.

Der verbreitetste Irrtum ist aber die Meinung, Giraffen hätten deswegen so lange Hälse, damit sie das Laub von hohen Bäumen fressen können. Aus Sicht eines Ingenieurs wäre das eine sehr schlechte Lösung, denn dadurch wird es für das Herz schwierig, das meterweit entfernte Gehirn mit Blut zu versorgen. Wenn es nur um das Erreichen einer bestimmten Höhe ginge, hätte man das Problem als guter Konstrukteur mit längeren Beinen viel einfacher lösen können. Auch bei uns Menschen ist deswegen das Herz relativ nahe am Gehirn und liegt nicht im viel besser geschützten Becken. Machen Sie diesen kleinen Test, um die Auswirkungen des Blutdrucks zu sehen: Halten Sie ihre Hand auf Hüfthöhe. Sie werden am Handrücken nach kurzer Zeit Venen durchschimmern oder sogar hervortreten sehen. Heben Sie jetzt ihre Hand über die Herzlinie hinauf. Die Gefäße verschwinden wieder im Gewebe.

Giraffenbullen können bis zu zwei Meter größer werden als weibliche Tiere. Und immer wenn es einen markanten Unterschied in der Größe zwischen den Geschlechtern gibt, dann ist sexuelle Selektion im Spiel. Männchen kämpfen um Partnerinnen, indem sie ihre Hälse und Köpfe – manchmal bis zur Bewusstlosigkeit – gegeneinanderschlagen. Längere Hälse sind da ein klarer Vorteil, so wie bei Hirschen ein größeres Geweih. Aber wie schon gesagt, nichts Genaues weiß man nicht. Nur eines ist sicher: Es gibt weniger als 100.000 dieser interessanten Tiere in freier Wildbahn.


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