Film Neu im Kino

Früchte des Zorns: "Hell or High Water"

MO | LEXIKON : FILM | aus FALTER 20/17 vom 17.05.2017

Texas, wo es am trostlosesten ist. Wo die Kleinstädte am Aussterben sind, die Farmer ihr Land verlieren und mittlerweile sogar die Banken zusperren. Tanner und Toby, zwei Brüder, kämpfen um das Erbe ihrer Familie, eine Ranch mit Schulden bis unters Dach. Kredite werden fällig. Da bleibt als einziger Ausweg, sich das Geld von der Bank zurückzuholen.

"Hell or High Water" beginnt mit einer Reihe zügig choreografierter Überfälle auf die Texas Midlands Bank, deren Filialen zumeist noch ohne Überwachungskameras oder ähnlichen Firlefanz auskommen. Das FBI fühlt sich für solche Bagatellen nicht zuständig, also müssen die Texas Rangers ran: Marcus steht drei Wochen vor seiner Pensionierung, sein Partner Alberto, ein Nachfahre der Comanche, soll dann seinen Job übernehmen.

Geschichte wiederholt sich. Zuerst haben Konzerne wie die Eisenbahngesellschaften das Land von den amerikanischen Ureinwohnern gestohlen, nun stehlen Banken und Großkonzerne es von den Cowboys und anderen weißen Modernisierungsverlierern. Es geht, wie schon der Titel bedeutet, auf Biegen und Brechen. Und das umso mehr, als bei all dem Gerechtigkeit und Gesetz ja keineswegs immer auf ein und derselben Seite stehen.

Das Kunststück, das dem Schotten David Mackenzie (Regie) und dem Texaner Taylor Sheridan (Drehbuch) mit ihrem Neo-Western gelingt, ist, das Genre in die Gegenwart zu holen. So schwelgerisch die Bilder sind, die drückende Wirtschaftskrise bleibt stets deutlich spürbar. Die simplen Oppositionen, mit denen der Plot arbeitet, zeigen nicht selten komische Wirkung: So etwa wenn die Brüder die Nacht in der Luxussuite eines Casinos verbringen, ihre Verfolger sich ein schäbiges Motelzimmer teilen müssen. Großartig die Darsteller, allen voran Jeff Bridges als alter Texas Ranger, der auch beim Sprechen die Pappen nicht aufbringt.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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