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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 20/17 vom 17.05.2017

Kreisky als Coffee-Table-Bildband

Der SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky (1970- 1983) ist eine Ikone. Für "Linke" ist er ein Held, der das Land aus der düsteren Nachkriegszeit in die moderne, sozialdemokratische Gegenwart führte. Für "Rechte" ist er der Schuldenmacher, dem ein paar Milliarden (Schilling) mehr Staatsschulden weniger Sorgen machten als mehr Arbeitslose.

Die Fotografin Margret Wenzel-Jelinek hat Kreisky über viele Jahre begleitet und immer wieder fotografiert, beginnend mit seinem ersten Wahlkampf. Sie und andere Weggefährten wie Hannes Androsch, Oliver Rathkolb, Margit Schmidt und Norbert Steger kommen in diesem Band zu Wort. Die Hauptrolle spielen aber die vielen Fotos, die einen direkten Einstieg in die Ära Kreisky bieten - wie ein Bilderbuch, allerdings ein sehr politisches. Wenzel-Jelineks Bildband ist ein Werk, das nicht nur für Kreisky-Nostalgiker lesenswert ist, sondern für alle, die an Zeitgeschichte interessiert sind. Schade nur, dass bei den Fotos, die das Buch ausmachen, auf genaue Orts-und Zeitangaben verzichtet wurde. Zumindest im Anhang wäre das hilfreich gewesen.

BARBARA TÓTH

Margret Wenzel-Jelinek: Kreisky und kein Nachfolger. Ueberreuter, 288 S., € 34,90

Herzl-Dozent Andreas Koller

Eine lesenswerte Einlassung über den österreichischen Journalismus legt der Innenpolitikchef der Salzburger Nachrichten vor. Andreas Koller warnt vor Selbstzensur, der Selbstverschenkung der Medien und falsch verstandener Political Correctness. Ein kluges Buch eines stillen, aber streitbaren Journalisten, das aus seiner Vorlesung im Rahmen der Theodor-Herzl-Dozentur entstanden ist und die Relevanz des Journalismus im 21. Jahrhundert betont.

FLORIAN KLENK

Andreas Koller: Journalismus. Macht. Wirklichkeit. Picus, 150 S., € 20,-


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