Elvira: Douze Points

Wiens einziges ukrainisches Lokal ist jetzt sehr viel hübscher geworden


Lokalkritik: Florian Holzer
Stadtleben | aus FALTER 20/17 vom 17.05.2017


Foto: Heribert Corn

Elvira Sari ist eine Frau, die umsetzt, was sie sich vornimmt. Die Deutschlehrerin aus der Ukraine nahm sich vor, nach Österreich zu kommen, check; nach einer Zeit beschloss sie, ein Lokal zu machen, und zwar mit ukrainischer Küche, die jetzt ja nicht gerade so die Trend-Cuisine ist.

Sie übernahm das Kärntner Stüberl in der Seidlgasse, in der ukrainische Babuschkas die Küche ihrer Heimat kochten, check. Dazu muss man sagen, dass das Lokal wirklich nicht besonders hübsch war, was die Leute in Verbindung mit diesen völlig authentischen Gerichten aber offenbar gar nicht störte. Check.

Im Herbst 2015 ereilte Elvira Sari dann eine Katastrophe, sie wurde von einem Lastwagen überfahren, ihr Leben stand auf dem Spiel. Das Lokal gab sie aber nicht auf, ihre Tochter und Freundinnen kümmerten sich während der Genesungsphase darum, das Gasthaus wurde zu so etwas wie einem Rettungsanker für Elvira Sari.

Und sie wurde nicht nur wieder gesund, sondern beschloss, das Lokal rundum zu erneuern, wobei: „Das habe ich schon vor dem Unfall gewusst.“ Aber erst danach, dass das Robin Molenaar und Yvonne Krisch machen sollten, die davor schon das Supersense und das Café Menta ganz gut in Szene setzten.

Und siehe da, Elvira’s eröffnete im Frühling in völlig neuem Kleid: hell, mit einer hölzernen Theke mit 50er-Jahre Spiegelwand, bunten Designer-Lampen, großen Holzfenstern, die man zur Gasse hin öffnen kann, rustikalen Hockern und – damit man weiß, wo man ist – einer Prise Rustikalität in Form von bunten Tellern oder einer Sitzbank, die mit bäuerlichen Teppichen tapeziert wurde. Eine wirklich gute Mischung aus neu und rustikal, aus urban und ukrainisch.

Und das Tollste daran ist ja, dass die Elvira-Küche jetzt noch viel besser zur Geltung kommt, als erfrischender Kontrast nämlich. Pilzsuppe mit winzigen Uschki-Ravioli, der unvermeidliche „Olivier“-Mayonnaisesalat, „Schuba“, alias „Hering im Pelzmantel“, Mlintzki, Blintschki und die Sülze namens Cholodetz. Kleine, mit Reis und Faschiertem etwa gleichermaßen gefüllte Krautrouladen mit etwas Dill und Pilzsauce heißen Golubzi, sie sind auch wunderbar altmodisch (€ 10,20).

Die unterschiedlich gefüllten Mini-Ravioli namens Wareniki werden hier alle mit der Hand gemacht und sind herrlich – mit etwas Glück und Überredungskunst bekommt man eine gemischte Portion (€ 9,20–9,90) und der im kleinen Tontopf servierte Eintopf namens Zharke aus Schweinefleisch, Erdäpfeln, Karotten, Zwiebeln und Pilzen ist genau so, wie ein guter Eintopf sein muss (€ 11,20).

Was man wissen sollte, wenn man bei Elvira bestellt: Die Portionen sind enorm, Bezeichnungen wie Vorspeisen und Zwischengerichte mit Vorsicht zu genießen. Und man trinkt dazu natürlich ukrainischen Wodka aus einer hässlichen Flasche.

Resümee:

Großartiges Ost-Essen von erfrischender Un-Hipness, in riesigen Portionen und einer angenehm gelungenen Designeratmosphäre.

Elvira’s
3., Seidlg. 39
Tel. 01/890 80 81
Mo–Fr 10–23, Sa 12–23 Uhr
www.elvirasrestaurant.at


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